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1680–1747

Blumen im Winter.

Barthold Heinrich Brockes

Ist es möglich, schon anjetzt, in der härtften Winter-Zeit, Da die Fluht mit Eis beleget, Garten, Feld und Wald beschneit, Lieblich riechende Eyrenen, funckelnde Gentianellen,

Crocos, Lilien-Convalljen, ja die schönste Pfirschen-Blüth, Tulpen, Hyaeinth, Terzetten, wie man hier bewundernd sieht, Zu erblicken, ja daß solches möglich, sich nur vorzustellen!

Ach, mein GOtt, durch deine Güte, nehm’ ich in derselben Pracht, Mit Vergnügen, deine Weisheit, deine Wunder, deine Macht,

Die durch dich stets regen Kräfte der Natur auch jetzt in acht, Und, durch ihre holde Schönheit, auch im Frost recht angelacht,

Fühl’ ich, wie mein innerstes recht gelabet, recht erqvicket, Ja, durch ämsige Betrachtung ihres Schmucks, fast selbst geschmücket, Zu dir hingezogen wird. Diese Pracht, die sie erblickt,

Wird ihr gleichsam zugeeignet, und, wie wir, noch einst so schön, Einer Schönen zarte Haut, bey ihr nahen Blumen, sehn; Stellt sich eine frohe Seele, wenn sie Blumen so besieht,

In selbst blühenden Jdeen würcklich selbst verschönert mir, Bey der weissen Hyacinth und der rohten Pfirsich-Blüt’, Röther noch an Lieb und Andacht, weisser noch an Un- schuld, für.

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