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1680–1747

Bluhmen-Schrift.

Barthold Heinrich Brockes

Wie wir es wircklich hoch mit vielen Künsten treiben; So hat man eine Art, üm unbekannt zu schreiben, Recht Kunst- und Sinn-reich ausgefunden. Man zeichnet Bluhmen recht nach Schilderer Manier,

An stat der Lettern, auf Papier, Als wären sie in einem Crantz gebunden. Wer nun den Schlüssel hat, kann alsobald ersehn, Nachdem sie bey einander stehn,

Was sie für Worte deuten sollen: Weil iede Bluhm’ und iedes Blat Das Zeichen einer Letter hat, So wie man sie bezeichnen wollen.

Auf diese Weise kann man lesen, Was sonst unleserlich gewesen. Mich deucht, es sey im Buche dieser Welt, Bald hie, bald dort

Dergleichen Schrift uns vorgestellt. An einem ieden Ort Legt ein beblühmtes Garten-Feld Dergleichen Schrift uns vor die Augen.

Ach mögte man es doch recht zu entzieffern taugen! Zuweilen kommt es mir Nicht anders für, Als wär von mir der Schlüssel ausgefunden.

Wenn ich von unterschiednen Nahmen Der Bluhmen, welche sie (wer weiß, ob ungefehr) Einft überkamen, Die ersten Lettern nehm’, und füge;

So scheint es, daß darin was sonderliches liege, Woran ich wenigstens mich recht vergnüge: Goldlacken hat ein G; Die

Der letztern setz ich zwey: so ist der Nahm zu lesen Von dem allgegenwärtgen Wesen. Mir drauf das Wörtchen Wenn ich

So deucht mich, daß ich voller Klarheit, Als eine unleugbare Wahrheit, Dieß: Formirete man sich dergleichen Zeichen mir,

Wie alle Lettern ja sonst nichts, als Zeichen, seyn; So würden wir vielleicht im Buche der Natur, Von dem allgegenwärtgen Wesen, Und Seiner Allmacht Licht und Schein,

Gar bald viel Wunder lernen lesen.

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