Daß aller Blumen bunte Pracht
Für Menschen ganz allein gemacht;
Davon legt die Betrachtung mir
Den kräftigsten Beweisthum für:
Wenn sich der Mensch vom Schlaf erhebet,
Scheint die auch aufgewachte Schaar,
Die in der Nacht geschlossen war,
Aufs neu verschönert und belebet.
Sie scheint sich ämsig zu bemühn,
Auch ihrer Ruh sich zu entziehn,
Und die verschloßne Lieblichkeiten,
In ihren Blättern, zu verbreiten.
Sie legen ihre bunte Zier
Zum Gegenwurf der Sonne für,
Die sie, bald durch- bald angestralet,
Zu unsrer Lust stets schöner mahlet,
Um nur aus ihren innern Schätzen
Nach Möglichkeit uns zu ergetzen.
Gehn wir des Abends nun zur Ruh,
So schließen sich die Blumen zu,
Als wenn sie gleichsam zeigen wollen:
Daß sie für uns nur blühen sollen,
Daß, wenn der Menschen Aug’ ihr Prangen
Nicht sehn, betrachten, und daran
Nicht ferner sich ergetzen kann,
Sie auch zu prangen nicht verlangen.
Mich deucht, daß diese neue Spur
Der Ordnung in der Kreatur
Von neuem eine Probe giebet,
Wie sehr uns unser Schöpfer liebet.