Wenn wir in einer schönen Landschaft, mit Anmuht rings umgeben, stehn, Und, durch die Creatur gerühret, aufmerksamer, als sonst geschehn,
Den Schmuck derselben zu betrachten und eigentlicher ein- zusehn, Noch einst vernünft’ge Triebe fühlen; so finden wir, daß unsre Augen
(durch die Gewohnheit fast verblendet, und gleichsam ungeschickt gemacht) Der Vorwürf’ Anzahl, Zierlichkeit, der Farben Harmonie und Pracht,
Indem sie sich zu sehr vertheilen, nicht ordentlich zu sehen taugen. Es scheint, als ob sich die Gedanken, so wie der Augen Strahl, zerstreuen,
Und daß dieß der betrübte Grund, wodurch wir uns der Welt nicht freuen, Noch GOtt, in Seiner Creatur, mit mehrerm Eifer, ehren können.
Wir lassen, mit dem hellen Licht, in unsre sehende Kry- stallen Zu viele Vorwürf’ auf einmahl, und zwar von allen Seiten, fallen.
Anstatt daß unsere Vernunft, zu einer Einheit sie zu ziehn, Sie nach einander zu betrachten, sie zu bewundern, sich bemühn,
Und sich daran vergnügen sollte; so springet, recht wie Licht und Blick Von allen plötzlich rückwerts springet, auch ebenfalls der Geist zurück,
Ohn’ in der Cörper Schmuck und Ordnung, wie es doch nöhtig, einzudringen, Ohn’ in uns Lust, Erkenntlichkeit und Dank aus uns herauszubringen.
Der Unlust und des Undanks Quell’, den wahren Unglücks- Brunnen nun Zu stopfen, und, nach Menschen-Art zu sehen, etwas doch zu thun,
Und uns zum Sehn geschickt zu machen; raht ich ein Mittel anzuwenden, Das, wie ich neulich auf dem Felde spatzieren ging, von unge- fehr,
Bey den Betrachtungen, mir beyfiel, und das, zu brauchen, gar nicht schwehr. Es hat ein jeder von uns allen dieß Mittel selber in den Händen.
Man darf, wofern man es gebraucht, inskünftige nicht ferner klagen: Ich weiß nicht was ich sehen soll, das Feld ist gelb, die Luft ist blau,
Der Wald ist licht- und dunkel- grün, und dieß ist alles, was ich schau. Jhr seyd, durch meinen schlechten Vorschlag, gewiß geschick- ter GOtt zu preisen.
In einem flachen offnen Felde, in welchem ihr spatzieren geht, Und, durch der Vorwürf’ Anzahl, nichts, als etwan Feld und Himmel, seht,
Will ich euch, in verschiedner Schönheit, statt einer Land- schaft, tausend weisen. Man darf nur bloß von unsern Händen die eine Hand zusammenfalten,
Und sie vors Auge, in der Form von einem Perspective, halten; So wird sich, durch die kleine Oeffnung, von den dadurch gesehnen Sachen
Ein Theil der allgemeinen Landschaft zu einer eignen Landschaft machen, Von welcher, wenn man mahlen könnte, ein’ eigne nette Schilderey
Zu zeichnen und zu mahlen wäre. Man darf sie nur ein wenig drehen; So wird man alsbald eine neue, von ganz verschiedner Schönheit, sehen.
Was nun die Ursach’, daß die Schönheit für uns so sehr vervielfacht sey, Läßt sich ganz eigentlich erklären: Zu viele Vorwürf’ in die Augen,
Die wir, durch gar zu grosse Menge, nicht recht zu unter- scheiden taugen, Sind abgehalten, und die Strahlen, die in die spiegelnde Krystallen,
Mit den Figuren ihrer Cörper, an des Gesichtes Nerven fallen, Sind nicht nur dadurch deutlicher, daß unser Geist sie schär- fer merkt;
Der kleine, durch die hohle Hand, formierte kleine Schatte stärkt, Durch sanfte Dunkelheit, das Auge, und folglich ist der Geist geschickt,
Mit größrer Achtsamkeit, auf Dinge, die einzeln, schärfer sich zu lenken, Und die darinn vorhandne Schönheit, mit mehrerm Nach- druck, zu bedenken.
Zumahlen es unwidersprechlich, und eine feste Wahrheit bleibet Das, was der Britten grosse Newton uns von dem Sinn der Augen schreibet,
Sey vielen Menschen noch verborgen, so wie es vormahls auch gewesen: Es sey das Sehen eine Kunst, sowohl als Schreiben, oder Lesen,
Wozu wir den Verstand sowohl, als wie zu allen andern Schlüssen, Ja öfters andre Sinnen mehr, um recht zu sehn, gebrau- chen müssen.
Ach, daß wir uns denn dieses Mittels, um, wie die Crea- tur so schön, Zu GOttes Ruhm, und unsrer Lust, mit mehr Bedacht- samkeit zu sehn,
Und ihren Schmuck zu unterscheiden, zuweilen doch gebrau- chen mögten, Damit wir öfters, wie bisher: Werke! dächten!
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