Skip to content
1680–1747

Aufgelöseter Zweiffel.

Barthold Heinrich Brockes

Ich habe, leider! oft, wie ich bereits erzehlet, Mit einem Zweiffel mich gequälet: Ob für den Schöpfer aller Dinge, Nicht aller Menschen Danck und Ehre, zu geringe,

Zu elend, zu verächtlich wären? Jtzt wünsch’ ich, dir und mir noch ferner zu erklären, Daß diese Zweifels-Last, wie starck sie scheint, wie fest; Durch die Vernunft sich dennoch heben läßt.

Wie künstlich unser Leib von aussen und von innen Gebildet sey, ist klar; daß dessen Kunst die Sinnen Zu ihrem Endzweck hab’, ist auch nicht minder wahr; Daß durch dieselben nun die Seelen

Sich mit der Creatur vermählen, Ist gleichfals sonder Streit. Dieß scheint der Endzweck nun, Die Absicht und der Grund. Daß, von der Menschen

Thun So herrlich nichts, als die Gedancken, seyn; Stimmt mit Erfahrung überein: Da alle Dinge nun uns ferner überzeugen,

Daß die Gedancken höher steigen, Als das was Cörperlich; So zeigt von selbsten sich, Daß die Gedancken ja von uns das gröste,

Das herrlichste, das beste. Das Beste nun von einem jeden Wesen Scheint für die GOttheit ja mit allem Recht erlesen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.