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1680–1747

Auf meinen Gebuhrts-Tag, den 22. Sept.

Barthold Heinrich Brockes

Heut jährig hast Du mich auf Erden, Mein GOTT, gebohren lassen werden. Du hast mir gar, in diesem Leben, Nunmehr schon funfzig Jahr gegeben,

Und in der gantzen Lebens-Zeit Mich wunder-wunderbar geführet: Wofür, Quell aller Gütigkeit, Nur Dir Lob, Ehr und Preis gebühret.

Wie wenig unter vielen seyn, Die an Gemüths- und Leibs-Stärck und Gesundheits-Gaben Glück, Güter, Ehre, Dir allein, O GOTT, so viel zu dancken haben!

Mein Eh-Gemahl, so viele Kinder, Die all’, an Seel’ und Leib, nicht minder, Als ich, gesund sind, zeigens an; Absonderlich daß mein Gemüthe

Von Deiner Weisheit, Macht und Güte So viel gesehn, und sehen kann. Daß ich, o HERR, für Deine Wercke Ein aufmercksames Aug’ empfing;

Daß Deiner Lieb’ und Weisheit Stärcke Mir offt durchs Aug’ ans Hertze ging; So daß ich, inniglich gerühret, Auch andern durch den Druck gezeigt,

Wie man durch sie zu Dir geführet, Und durchs Geschöpf zum Schöpfer steigt. O ew’ge Liebe! willst Du mich Noch länger hier auf Erden lassen;

So gieb, daß ich, in ihnen, Dich Noch immer mehr vermag zu fassen! Verleihe mir Gelegenheit! Gieb Weisheit! schärffe meine Sinnen!

Gieb Eifer! gieb Bequemlichkeit, Und segne ferner mein beginnen! Damit, von allen Undancks-Wust Wir uns ie mehr und mehr entfernen,

Und Dich, mit Lieb’ erfüllter Brust, Als wahren GOTT, erkennen lernen! Soll aber, HERR, nach Deinem Raht, Ich bald vergehen und erkalten;

So laß mit Worten, Schrift und That Die Meinigen mein Ampt verwalten! Und mich in jenen seelgen Höhn, Wozu uns Deine Gnade rieffe,

Die unergründlich tieffe Tieffe Der wahren Gottheit ewig sehn!

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