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1680–1747

Anmuth des Regens nach grosser Hitze.

Barthold Heinrich Brockes

Es kochte gleichsam jüngst der schwühlen Lüfte Kreis Durch strenger Sonnen-Strahlen Blitze. Nicht nur das Land, das Wasser selbst war heiß. Es lechtzte Gras und Laub vom Druck der schwehren Hitze;

Als unverhoft ein kühler Regen fiel, So starck, daß alles rauscht’ und zischte, Wodurch sich Luft und Land und Wald und Feld erfrischte. Was erst durchhitzet war ward allgemählig kühl.

Ich sahe dieß bedachtsam an, und fand, Daß Nutz und Lust hieraus, zu GOttes Ruhm entstand. Mich daucht’ ob sehen meine Augen, Die Blumen, Kräuter, Laub und Gras

Das lang’ erseufzte laue Naß Mit tausend kleinen Münden, saugen. Mich deucht’, ich könne, GOtt zu ehren, Der ihnen neues Labsal schenckt,

Der sie so liebreich nährt und tränckt, Jhr sanftes Schmatzen gleichsam hören. Ein jeglich welck-, bestaubtes Blatt Verschönert sich, wird frisch und glatt.

Man sieht ein angenehm und holdes Dunckel-Grün So Feld als Garten überziehn. Ja da des Himmels neues Licht Sich an der nassen Glätte bricht,

Kann man, auf allen Blättern, schön Ein Silber gleichsam gläntzen sehn. Die schlaffen Stengel steiffen sich, Es richten sich fast sichtbarlich

Die Blätter in die Höh, es strotzet Laub und Kraut. Dadurch nun, daß die Luft sich lieblich abgekühlet, Wird auch mit Lust von unsrer Haut Ein süsser Schauder oft gefühlet,

Der selber unsern Geist ergetzet Und ihn, wenn ers erwegt, in ein Vergnügen setzet, Das wahrlich nicht gemein. Mir fiel hiebey dieß Danck-Lied ein:

Ach GOtt! der du uns diesen Regen, Und, in demselben, so viel Seegen Der dürr- und matten Welt geschenckt, Der du das durst’ge Feld getränckt,

Der du der welcken Pflantzen Heer, Zu unserm Nutz, genährt, erqvicket, Und auch zugleich die Welt geschmücket, Dir sey dafür Lob, Preis und Ehr!

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