In dieser angenehmen Einöd', in diesen Schatten-reichen Büschen Beschäftigt sich mein stiller Geist, sich zu vergnügen, zu erfri- schen.
Hier labet mich, in sanfter Unschuld, die ruhige Zufrieden- heit, Befreyt vom Hof- und Stadt-Getümmel, entfernt von Scheelsucht, Zank und Streit.
Mit dem verhaßten Lerm der Welt, dem ich mich hier nunmehr entzogen, Sind auch zugleich die schwarzen Sorgen von mir gewichen, weggeflogen.
Hier, abgesondert von dem Vorwurf, aus welchem ihre Plagen quillen, Fühl’ ich, nur sanfte Regungen mein ruhiges Gemüht erfüllen.
Jm Schooß von einem tiefen Frieden, und sanfter Stille, stellt sich mir Des stolzen Hofes schimmernd Elend entdeckt, und sonder Schminke, für.
Ich seh’ das Bild der eitlen Welt, ich seh’ der Götzen unsrer Zeit, Des Glücks, des Reichthums und der Ehre, zerbrechliche Beschaffenheit,
Und finde, wenn auch, im Besitz, sie unsern heissen Wunsch erfüllen, Daß sie uns dennoch nicht vergnügen, und nimmer die Begierden stillen.
Hier, wenn ich durch die Wiesen wandre, folgt oft mein Blick dem schnellen Bach In seinem ungehemmten, ew’gen und immer regen Laufe nach.
Sein stets ununterbrochnes Rennen scheint mir von meinem regen Leben Ein recht natürlich lebhaft Bild und wahres Gleichniß abzugeben.
Wie so viel Millionen Wellen auf seiner äussern Fläch’ entstanden, Von welchen, da sie nicht mehr da, nicht die geringste Spuhr vorhanden;
So sieht man alle Menschen auch entstehen, leben, bald verdrungen, Und in dem Meer der Ewigkeit unwiederbringlich einge- schlungen.
Die Stille, die hier überall so Feld als Wald bedeckt und füllt, Vergleichet sich mit jener Stille, und scheint ein sanftes Ebenbild
Von jener ewig- sel’gen Ruh, die, wenn man auf den Schöpfer denket, Die ewige selbständ’ge Lieb’, uns hier bereits der Glaube schenket.
Ist denn der Lerm in dieser Welt, ja der Besitz von allen Reichen, Mit diesem Bilde jener Stille, die künftig ist, wohl zu ver- gleichen?
Nur in der Stille kann die Seele ihr eigentliches Wesen finden, Nur in der Stille kann sie das, was in und ausser ihr, ergründen,
Nur in der Stille (durch die Vorwürf’, die sie zerstreuen, ungestöhrt) Wird sie zur Andacht mehr geschickt, und GOtt am würdig- sten geehrt.
Ach, möchte denn die sanfte Stille, die wir im kühlen Walde spühren, Uns kräftiger, als wie bisher, die ungerührte Seele rühren, Uns den geheimen Zug entdecken, der wirklich in der Seelen
steckt, Da oftermahls ein tiefer Wald ein süsses Schaudern ihr erweckt! Ach, möchten uns, wenn wir allein, der holden Stille
Süßigkeiten, Zu jener ewig- sel’gen Stille, schon hier auf Erden, vorbe- reiten!
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