Es scheinet ietzt bald hie bald da, An allen Orten fern und nah, Des jungen Grases frisches Grün, Mit ungezehlten Lieblichkeiten,
Sich gleichsam ämsig zu bemühn, Das welcke Gelbe zu bestreiten, Und itzt, bald hier bald dort, das Land zu überziehn. Hier siegt annoch des alten Grases Rest:
Sein falbes brann, sein schmutzigs grau Hält, ob gleich welck, annoch an faulen Stengeln fest, Indem ich dorten nichts, als neue Schönheit, schau. Hier drenget manche zarte Spitze
Sich einzeln aus der Erd’, und dorten siehet man Schon kleine Hügelchen von Gras, und kleine Blitze, Wann sie bestrahlet sind, auf ihrer grünen Glätte, Die man nicht sonder Lust beschauen kan:
Zumahl wann sich der linde Zephir reget, Und jedes Gräschen sich gelinde mit beweget, Sammt den durch sie erzeugten zarten Schatten, Die auch beweglich sind, und sich mit ihnen gatten,
Um, durch den Gegen-Satz, das, was so Wunder-schön, Noch zu verherrlichen, und mehr noch zu erhöhn. Hier prangt ein grüner Platz, der rings ümher Von Stellen, die annoch von Grase leer,
Als wie ein Inselchen, ümgeben; wann sich dort Von braunem Staub und Sand ein kleiner Ort Roch zwischen grünen Stellen zeiget. Noch anderwärts lässt ein vermischtes Braun,
Aus welchem Gras und Kraut fast allenthalben steiget, Ein liebliches Gemisch im Strahl der Sonnen schaun, Allein in kurtzer Zeit ist Sand und Staub verstecket: Ein Wunder-schönes Grün wird allgemein,
Und alles steht, zumahl im Sonnen-Schein, Mit einem grünen Glantz bedecket, Auf welchem wir in kurtzem, Wunder-schön, Die bunte Pracht gefärbter Bluhmen sehn.
Die Erd-Gewächse sieht man nun, Rachdem sie ferner nicht mehr ruhn, Auf den gevierten Garten-Beten, Aus ihrem Schlaff-Gemach im Frühling gleichsam treten.
Sie haben abgelegt den alten Leib, Und einen neuen angenommen; Und, stat des alten Rocks, der gantz zerrissen, Verwelckt, verweset und verschlissen,
Ein neues bunt-und schönes Kleid In dieser frohen Frühlings-Zeit In neuem Schimmer überkommen. Mich deucht, ich sehe sie ihr schweigen unterbrechen;
Mich deucht, ich höre sie mit bunten Lippen sprechen: Geliebte Menschen, seht uns an: Wir waren todt, wir leben wieder. Wie? daß denn jemand zweifeln kan,
Daß auch dereinst nicht eure Glieder, Ob gleich, wie wir, verweset und gestorben, Ob gleich, wie wir, vernichtigt und verdorben, Nicht auch, wie wir anietzt, aus Staub und Erden
Erneuert auferstehen werden! Wie wird nicht euer Schmuck und Schein So dann viel herrlicher, als unsre Farben seyn! Wenn ihr nur eure Pflicht, den Schöpffer zu erhöhn,
Und Seine Wunder-Werck mit Andacht anzusehn, Auf dieser Welt in Acht genommen. Ach! sehet uns denn an, wie schön, wie Wunder-schön Der Schöpffer uns aufs nen gebildet;
Wie bunt Er uns gefärbt, versilbert und vergüldet. Ja überlegt dabey das Wunder, und bedencket, Daß Er nun seit so langer Zeit Uns alle Jahr ein neues Kleid,
Und einen neuen Leib geschencket, Zum Zeugniß Seiner Gütigkeit. Für wen bereiten sich doch unsre Säffte? Für wen sind wir an Farb’ und an Geruch so reich?
Wir geben euch all’ unsre Kräffte: Denn unsre Krafft dient uns nicht selbst, nur euch. Wir blühen nicht für uns, für euch allein. Ja wenn wir sagten, daß die Güte
Des Schöpffers Selber in uns blühte, Euch selbst durch den Geruch erquickte, Für euch nur bloß so schön uns schmückte, Würd’ es vielleicht nicht unrecht seyn.
Es sehe denn doch iederman Die Erd-Gewächs’ als so viel tausend Zeugen Der Liebe, Güt’ und Allmacht GOttes, an!
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