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1680–1747

Abend-Andacht.

Barthold Heinrich Brockes

Da nunmehr des Tages Gläntzen und der Sonnen helle Pracht Unsern Augen sich entzogen; da die Schatten-reiche Nacht, Mit den stillen Finsternissen, Himmel, Erd’ und Meer

erfüllt, Und der irdischen Geschöpfe Farb’ und Bildung gantz verhüllt, Unsern Leib zur Ruhe ruft, um, nach heut vollbrachten

Wercken, Jhn, durch einen sanften Schlaf, kräftig wiederum zu stärcken, Und ich, voll Beqvemlichkeit, auf so weichen Feder-Decken,

Sonder Sorgen, Furcht und Gram, mich gesund vermag zu strecken: Auf mein Geist! den grossen Schöpfer der den Himmel und die Welt,

Bey so wunderbarem Wechsel, in so richt’ger Ordnung hält, Der die stille Nacht zur Ruhe dir gegönnet, zu besingen! Und ein schuldig Abend-Opfer seiner Lieb’ und Macht zu

bringen! Dieses kann nun füglicher, wie du selber wirst gestehn, Wenn du redlich danckst, mein Geist, als durch Dancken, nicht geschehn.

Will man aber redlich Dancken; muß man, mit vergnüg- tem Muth, Sich mit rechtem Ernst bestreben, das von empfangne Gut,

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