Was man itzt sieht, ist alles weiß, So Luft, als Land deckt Schnee und Eis, Dem Felsen gleichen starre Fluhten, Dem Mond gleicht fast der Erden Ball,
Die Schollen gleichen dem Krystall, Die kahlen Bäume grossen Ruhten. Der Glanz der weissen Erde scheint, Daß er sich mit der Luft vereint;
Denn kein Gesicht-Kreis ist zu sehen. Nur leget er sich da zur Schau, Wo selbst die Luft so dunkel- grau, Daß wir den Unterscheid verstehen.
Wie ist doch, dacht’ ich, itzt die Welt Verändert, wie so sehr verstellt, Wie sehr hat sie der Frost mißhandelt, Wohin ist ihr beblühmtes Grün,
Und was an ihr so reizend schien, Hat sich denn die Natur verwandelt? O ja! doch nur auf kurze Zeit. Sie wird bald ihre Lieblichkeit,
Und holden Schimmer wieder kriegen. Bald wird sie, mit verneuter Pracht, Nach der verschwundnen Winter-Nacht, Am Frühlings-Morgen uns vergnüegn.
Des Winters rauher Gegensatz Verschönert ihren Bluhmen-Schatz, Wenn alles lieblich wieder grünet. Wie wird man denn so klärlich sehn,
Daß alles, was im Frost geschehn, Uns zu vermehrter Lust gedienet. So sehe denn doch jedermann Die Ordnungen des Schöpfers an,
Auch wenn man scharfe Kälte fühlet! Erwegt, wie Gottes Gütigkeit, Selbst in der rauhen Winter-Zeit, Auf unsre künft’ge Lust gezielet.
Der Wechsel ist, was auf der Welt Uns mehr als der Bestand gefällt, Der Wechsel mehrt auch hier die Freude. Damit ein stetes Einerley
Den Sterblichen nicht widrig sey; So ändert sichs im Welt-Gebäude. Jm Winter ruhet die Natur. Hierinn ist eine neue Spur
Von weiser Vorsicht zu erblicken. Durch Ruh ersetzet sich die Kraft, Erneut sich der erschöpfte Saft, Die Welt noch lieblicher zu schmücken.
So würd’ auch, wich der Sonnen Licht Von unsern Grenzen nimmer nicht; Ein Theil der Welt erfrieren müssen. So aber macht Gott ihre Gluht
Zu einem allgemeinen Gut Und läßt es alle Welt geniessen. Wie überzeuglich, hell und klar Macht selbst der Frost denn offenbar,
Wie weise Gott die Welt regieret? Es sehe denn doch jedermann Auch dieses als ein Wunder an, Und preise Gott, auch wenn es frieret!
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