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1747–1794

Winterlied .

Gottfried August Bürger

Der Winter hat mit kalter Hand Die Pappel abgelaubt; Und hat das grüne Maigewand Der armen Flur geraubt;

Hat Blümchen, blau und rot und weis, Begraben unter Schnee und Eis. Doch liebe Blümchen hoffet nicht Von mir ein Sterbelied.

Ich weis ein lieblich Angesicht, Worauf ihr alle blüht. Blau ist des Augensternes Rund, Die Stirne weis, und rot der Mund.

Was kümmert mich die Nachtigal, Im aufgeblühten Hain? Mein Liebchen trillert hundertmal So füs und silberrein.

Ihr Athem ist, wie Frühlingsluft, Erfült mit Hyazinthenduft. Vol für den Mund, und würzereich, Und alerfrischend ist,

Der aufgeschwolnen Erdbeer gleich, Der Kus, den sie mir küst. — O Mai, was frag’ ich viel nach dir? Der Frühling lebt und webt in ihr.

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