Skip to content
1747–1794

Mamsel La Regle .

Gottfried August Bürger

Halb griechische, halb auch französche Donne, Ist Regula die wackerste Ma Bonne; Nimt sorgsam überal, nimt Tag und Nacht Die lieben Kinderchen ganz wol in Acht;

Weis wolgewandt zu gängeln, weis spaziren Den kleinen Trup vorsichtiglich zu führen; Und läst fürwahr! den trauten Kindelein Gefar und Leid nicht eben leicht bedräun. —

Um’s kleine Volk nicht zu skandalisiren, Mag man sich gern ein bischen mit geniren. Oft hat’s mich, wann um nichts und wider nichts, So Einer da, unartiges Gezüchts,

Aus Uebermut, der Bonne blos zum Possen, Nicht folgsam war, oft hat’s mich bald verdrossen. Doch wenn sie gar zu steif, mit Schneckenschrit, Durch nakte Gäng’ und Sandalleen trit,

Und hin und her hofmeistert: „Fein gerade! Hübsch Füschen aus- und einwärts hübsch die Wade! Den Rücken schlank! Fein Hals und Kopf empor! Zurük die Schultern! Bauch ein! Brust hervor!„

Und wehren wil, zur Linken oder Rechten, Eins auszutraben, Straus und Kranz zu flechten, Das last hier ein und aus zum Ohr dort wehn! Last, Brüderchen, die alte Strunsel gehn!

Nur Kinder mag also ihr Laufzaum schürzen! Was thut’s, ob wir mal stolpern oder stürzen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Mamsel La Regle . · Gottfried August Bürger · Poetry Cove