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1769

Lust am Liebchen

Gottfried August Bürger

Wie selig, wer sein Liebchen hat, Wie selig lebt der Mann! Er lebt, wie in der Kaiserstadt Kein Graf und Fürst es kann.

Ihm scheinet seiner Seligkeit Kein Preis auf Erden gleich. Selbst arm bis auf den letzten Deut, Dünkt er sich krösusreich.

Die Welt mag laufen, oder stehn; Und alles mag rund um Kopf unten oder oben gehn! Was kümmert er sich d'rum?

Hui! ist sein Wort zu Strom und Wind, Wer macht aus euch sich was? Nichts mehr, als wehen kann der Wind, Und Regen macht nur naß.

Gram, Sorg' und Grille sind ihm Spott; Er fühlt sich frei und froh, Und kräht, vergnügt in seinem Gott, In dulci Jubilo.

Durch seine Adern kreiset frisch Und ungehemmt sein Blut. Gesunder ist er, wie ein Fisch, In seiner klaren Flut.

Ihm schmeckt sein Mahl; er schlummert süß Bei federleichtem Sinn, Und träumt sich in ein Paradies Mit seiner Eva hin.

In Götterfreuden schwimmt der Mann, Die kein Gedanke mißt, Der singen oder sagen kann, Daß ihn sein Liebchen küßt. –

Doch ach! was sing' ich in den Wind, Und habe selber keins? O Evchen, Evchen, komm geschwind, O komm und werde meins!

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