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1747–1794

Huldigungslied .

Gottfried August Bürger

Wär' ich doch so hold, wie jener Freund der Liebeskönigin; Oder nur ein bischen schöner, Als ich Armer izo bin!

Denn von einem hübschen Knaben Fühltest du vielleicht den Schmerz, Und verschmähtest nicht die Gaben, Die ich biete: Hand und Herz.

Rührt dich auch aus blassem Munde Liebevolle Huldigung; O so heile meine Wunde, Oder gib ihr Linderung!

Dienen kan dir Niemand treuer, Als dein frommer Agathon. Diese huldigende Leier Sagt die Hälfte nicht davon.

Unermüdet wil er dienen, Deines Lebens Genius, Und erforschen aus den Mienen Wolgefallen und Verdrus.

Alles, Kind, was dir behagte, Hätt’ ichs, alles gäb’ ich dir. Schande, wenn ich was versagte, Hohe Schande wär’ es mir!

Felen solt’ es nie an Schaaren Holder Spiele, dir zur Lust, Nie an Blumen zu den Haaren, Nie an Blumen vor die Brust.

Aemsig warten jeder Rebe, Pflegen wolt’ ich jeden Baum, Daß er süsse Früchte gäbe, Nur für deinen zarten Gaum.

Schattengänge, Sommerlauben Wölbt’ ich dir, zu kühler Ruh, Trüge Beeren, Nüss’ und Trauben Dir in Binsenkörbchen zu.

Neben deinem Lager stehen, Wann du lauschtest, wolt’ ich hier. Angenehme Kühlung wehen Solt’ ein Myrtenfächer dir. —

Alles Leid und Misbehagen, Jede Sorge, jede Last Wär’ ich ganz allein zu tragen Nun und immerdar gefast.

Nimmer, Liebchen, wolt’ ich trüben Deines Lebens Heiterkeit. Alle deine Launen lieben Wolt’ ich mit Verträglichkeit.

Sey es Liebes oder Leides! Käm’ es nur von deiner Huld, So erwiedert ich auf beides Bald Entzücken, bald Gedult.

Flügelschläge von dem Weibchen Trägt des Taubers frommer Sin, Auch von dir, geliebtes Täubchen, Nähm’ ich alles willig hin.

Hiesse mich dein Blik entweichen, Zürnte mir dein Angesicht, Würd’ ich traurend von dir schleichen. Widerstreben könt’ ich nicht.

Winktest du, so eilt’ ich wieder, Küste den Versönungskus, Sänk’ an deinen Busen nieder Und verlauschte den Verdrus. —

Liebchen, rühret dich die Weise Dieses Liedes? Hörest du? — Ach! die Ahndung lispelt leise Meiner bangen Seele zu:

Daß ein wenig Schein der Wangen Mächtiger an Zauberei, Als das innige Verlangen Einer guten Seele sey.

Schöne Buler werden kommen, Werden dich um Liebe flehn, Und du wirst von deinem Frommen Zu dem Schönern übergehn.

Leicht genügen sich die Sinnen An der Schönheit Tüncherei, Unbekümmert, ob darinnen Warheit oder Lüge sey.

Und wie oft gewan die Lüge Ihr betrügerisches Spiel, Wann den Sinnen nur zur Gnüge Ihre Larve wolgefiel.

Bunt, wie Regenbogendünste, Aber eitel auch, wie die, Hat sie hundert Zauberkünste, Und mit diesen täuschet sie.

Sie hat Seufzer, sie hat Zären, Wörtchen, wie man gern sie hört, Eide selber kan sie schwören, Wie sie Treu und Warheit schwört.

Ach! sie wird, um dich zu rühren, Toben, wie Verzweifelung. Eide werden dich verführen, Eide falscher Huldigung. —

Ich dann werde seitwärts treten, Weinend über deine Wal; Aber dennoch brünstig beten, Mitten unter meiner Qual:

Daß dein Herz nicht übel wäle, Was dein Auge wohl erkor. Gott behüte, liebe Seele, Gott behüte dich davor!

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