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1747–1794

Herr Bacchus .

Gottfried August Bürger

Herr Bacchus ist ein braver Man, Das kan ich euch versichern. Mehr als Apoll, der Leierman, Mit seinen Notenbüchern.

Des Armen ganzer Reichthum ist Die goldbemalte Leier, Von der er pralet, wie ihr wist, Sie sey entsezlich theuer.

Doch borgt ihm auf sein Instrument Kein Kluger einen Heller; Denn frohere Musik ertönt Aus Vater Evans Keller.

Und ob Apoll sich gleich voran Mit seiner Dichtkunst blähet; So ist doch Bacchus auch ein Man, Der seinen Vers verstehet.

Wie mag am waldigen Parnas Wol sein Diskant gefallen? Hier solte Bacchus Kantorbas Fürwahr weit besser schallen.

Auf! last uns ihn für den Apoll Zum Dichtergott erbitten; Denn er ist gar vortreflich wohl Bei grossen Herrn gelitten.

Apoll mus tief gebükt und krum In Fürstensäle schleichen; Allein mit Bacchus gehn sie um, Als wie mit ihres Gleichen.

Dann wollen wir auf den Parnas, Vor allen andern Dingen, Das grosse Heidelberger Fas Vol Nierensteiner bringen.

Stat Lorbeerbäume wollen wir Dort Rebenstöcke pflanzen, Und rings um volle Tonnen, schier Wie die Bacchanten tanzen.

Man lebte so nach altem Brauch Bisher dort alzunüchtern. Drum blieben die neun Jungfern auch Von je und je so schüchtern.

Ha! zapften sie sich ihren Trank Aus Bacchus Nektartonnen, Sie jagten Blödigkeit und Zwang In Klöster zu den Nonnen.

Fürwahr! sie liessen nicht mit Müh Zur kleinsten Gunst sich zwingen, Und ungerufen würden sie Uns in die Arme springen.

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