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1747–1794

Die Elemente .

Gottfried August Bürger

Horch! Hohe Dinge lehr' ich dich. Vier Elemente gatten sich; Sie gatten sich, wie Man und Weib, Vol Liebesglut in einen Leib.

Der Gott der Liebe rief: Es werde! Da ward Luft, Feuer, Wasser, Erde. Des Feuers Quel die Sonne brent Am blauen Himmelsfirmament.

Sie stralet Wärme, Tagesschein; Sie reifet Korn und Obst und Wein; Macht alles Lebens Säfte kochen, Und seine Pulse rascher pochen.

Sie hült den Mond in stillen Glanz, Und flicht ihm einen Sternenkranz. Was leuchtet vor dem Wandrer her? Was führt den Schiffer, durch das Meer,

Viel tausend Meilen in die Ferne? Ihm leuchten Sonne, Mond und Sterne. Die Luft umfängt den Erdenbal, Weht hie und dort, weht überal;

Ist Lebenshauch aus Gottes Mund, Durchwandelt gar das Erdenrund, Wo sie durch alle Hölung webet, Und selbst des Würmchens Lunge hebet.

Das Wasser braust durch Wald und Feld. In tausend Arme nimt’s die Welt. Wie Gottes Odem, dringt es auch Tief durch der Erde finstern Bauch.

Die Wesen schmachteten und sänken, Wo sie nicht seines Lebens tränken. Drei Bräutigamen hat, als Braut, Gott seine Erde angetraut.

Wann Luft und Wasser sie umarmt, Und von der Sonn’ ihr Schoos erwarmt, Dann wird ihr Schoos, zu allen Stunden, Von Kindern jeder Art entbunden.

All’ ihre Kindlein hegt und pflegt Sie, an ihr liebend Herz gelegt. Sie ist die beste Mutter sie; Sie säuget spät, sie säuget früh.

Kein Kindlein, so ihr Schoos geboren, EehtGeht ihrem Schoosse je verloren. Sieh hin und her! Sieh rund um dich! Die Elemente lieben sich;

Sie gatten sich in Himmelsglut; Je Eins dem Andern Liebes thut. Aus solchem Liebestrieb’ empfangen, Bist du, o Mensch, hervorgegangen.

Nun prüfe dich, nun sage mir: Glüht noch des Ursprungs Glut in dir? Erhelt, wie Sonne, dein Verstand, Erhelt er Haus und Stadt und Land?

Entlodert, gleich den Himmelskerzen, Noch Liebeslohe deinem Herzen? Und deine Zunge, stimmet sie Zur algemeinen Harmonie?

Ist deine Rede, dein Gesang Der Herzensliebe Wiederklang? Entweht dir Frieden, Freude, Seegen, Wie Maienluft und Frühlingsregen?

Hält unzerrissen deine Hand, Das heilige Verlobungsband? Reicht sie dem Nächsten in der Not Von deinem Trank, von deinem Brod?

Und seinen nackenden Gebeinen Von deiner Wolle, deinem Leinen? — O du! O du! der das nicht kan, Du Bastard du! was bist du dann? —

Und wärst du mächtig, schön und reich, Dem Salomo an Weisheit gleich, Und hättest gar mit Engelzungen Zur Welt geredet und gesungen;

Du Bastard, der nicht lieben kan! Was bist du ohne Liebe dann? — Ein todter Klumpen ist dein Herz; Du bist ein eiteltönend Erz;

Bist leerer Klingklang einer Schelle, Und Tosen einer Wasserwelle.

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