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1775

Der Ritter und sein Liebchen

Gottfried August Bürger

Ein Ritter ritt einst in den Krieg, Und als er seinen Hengst bestieg, Umfing ihn sein fein's Liebchen: „Leb wohl, du Herzensbübchen!

Leb wohl! Viel Heil und Sieg! Komm fein bald wieder heim ins Land, Daß uns umschling' ein schön'res Band, Als Band von Gold und Seide:

Ein Band aus Lust und Freude, Gewirkt von Priesterhand!“ – „Ho, ho! Käm' ich auch wieder hier, Du Närrchen du, was hülf' es dir?

Magst meinen Trieb zwar weiden; Allein dein Band aus Freuden Behagt mit nichten mir.“ – „O weh! so weid' ich deinen Trieb,

Und willst doch, falscher Herzensdieb, Ins Ehband dich nicht fügen! Warum mich denn betrügen, Treuloser Unschuldsdieb?“ –

„Ho, ho! du Närrchen, welch ein Wahn! Was ich that, hast du mitgethan. Kein Schloß hab ich erbrochen, Wann ich kam anzupochen,

So war schon aufgethan.“ – „O weh! So trugst du das im Sinn? Was schmeichelst du mir um's Kinn? Was mußtest du die Krone,

So zu Betrug und Hohne, Mir aus den Locken ziehn?“ – „Ho ho! Jüngst flog in jenem Hain Ein kirres Täubchen zu mir ein.

Hätt' ich es nicht gefangen, So müßten mir entgangen Verstand und Sinnen sein.“ – D'rauf ritt der Ritter hop sa sa!

Und strich sein Bärtchen trallala! Sein Liebchen sah ihn reiten, Und hörte noch vom weiten Sein Lachen ha ha ha! – –

Traut, Mädchen, leichten Rittern nicht! Manch Ritter ist ein Bösewicht. Sie löffeln wohl und wandern, Von Einer zu der Andern,

Und freien Keine nicht.

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