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1747–1794

Der Minnesinger.

Gottfried August Bürger

Ich wil das Herz mein Leben lang, Der holden Minne weihen, Und meinen leichten Volksgesang Verdienten Schmeicheleien.

Denn warlich keines Lobes Ton, Auf keiner Flur, gewäret Dem Sänger einen füssern Lohn, Als wenn er Schönheit ehret.

Wolan, o Laute, werde dann Der Schönen, die gesellig Und freundlich ist, und minnen kan, Durch Lied und Lob gefällig!

Dein Schmeicheln mildert die Natur. Schon lassen Schäferinnen Sich hie und da, auf teutscher Flur, Durch Lied und Lob gewinnen.

Du solst noch manche Sommernacht, Um stille Schäferhütten, Das Mädchen, das im Bette wacht, Von mir zu träumen bitten.

Mir danket dann ihr Morgengrus, Ihr liebevolles Nicken, Ihr wonniglicher, warmer Kus, Ihr sanftes Händedrücken.

Erwerben werd’ ich reiches Gut An kleinen Minnepfändern; Und prangen wird mein Stab und Hut Mit Rosen und mit Bändern.

Beim Spiel und Tanze werden mir Die Schönsten immer winken; Und, die ich fodre, werden schier Sich mehr als Andre dünken.

Geliebt, geehrt, bis an mein Ziel, Von einer Flur zur andern, Werd’ ich mit meinem Minnespiel, Herbeigerufen, wandern.

Und, wenn ich längst gestorben bin, Und unter Ulmen schlafe, So weidet noch die Schäferin Um meine Gruft die Schafe;

Und lehnet sich auf ihren Stab, Und senkt vol heller Thränen, Den sanften Blik zu mir herab, Und klagt in weichen Tönen:

„du, der so füsse Lieder schuf, So minnigliche Lieder! O wekte dich mein lauter Ruf Aus deinem Grabe wieder!

Du würdest mich, nach deinem Brauch, Gewis ein wenig preisen. Dann hätt’ ich doch bei Schwestern auch Ein Liedchen aufzuweisen.

Dein Minneliedchen säng’ ich dann, Solt’ auch die Mutter schelten. O lieber, lieber Leierman, Wie wolt’ ich’s dir vergelten!„

Dann wird mein Geist, wie Sommerluft, Aus seiner Ulme Zweigen, Zu ihr herunter auf die Gruft, Sie anzuwehen, steigen;

Wird durch des Wiesenbaches Rohr, Und Blätter, die sich kräuseln, Ein Liedchen in ihr horchend Ohr, Zu ihrem Lobe, säuseln.

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