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1747–1794

Das harte Mädchen.

Gottfried August Bürger

Ich sah so frei und wonnereich Einst meine Tag’ entschlüpfen, Wie Vögelchen, von Zweig auf Zweig, Beim Morgenliede hüpfen.

Fragt jeden Sommerwind, der hier Die Blumenau erfrischet: Ob je ein Seufzer sich von mir In seinen Hauch gemischet?

Fragt nur den stillen Bach im Klee: Ob er mich klagen hörte? Und ob von mir ein Thränchen je Die kleinen Wellen mehrte?

Mein Auge schaute falkenhell, Durch meilenlange Räume, Wie Gems und Eichhorn, sprang ich schnell Auf Felsen und auf Bäume.

So bald ich auf mein Lager sank, Entschlief ich ungestöret. Des Wächters Horn und Nachtgesang Hat nie mein Ohr gehöret.

Nun aber ist mir Lust und Scherz Und Mut und Kraft vergangen. Ein hartes Mädchen hält mein Herz, Mein armes Herz gefangen.

Nun hauch’ ich meine Seele schier Erseufzend in die Winde, Und girre kläglich hin nach ihr, Gleich einem kranken Kinde.

Nun müssen Bach und Klee genung Verliebter Zären saugen, Und graue Nebeldämmerung Umwölkt die muntern Augen.

Nun härm’ ich ganze Nächte lang, Auf schlummerlosem Lager, Die leichten Glieder mat und krank, Die vollen Wangen hager.

An meinem Leben nagt die Wut Grausamer Seelengeier; Nagt Eifersucht auf fremde Glut, Nagt mein verschmähtes Feuer.

Das harte Mädchen sieht den Schmerz, Und mehrt ihn dennoch stündlich. O Liebe, kenst du noch ein Herz, Wie dieses, unempfindlich? —

Ein einzig Lächeln voller Huld Würd’ allen Kummer lindern, Und ihre nicht erkante Schuld Flugs tilgen, oder mindern.

Mich wekte wol ihr süsser Ton Noch aus dem Grabe wieder; Ja, wär’ ich auch im Himmel schon, Er lokte mich hernieder.

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