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1747–1794

Das Dörfchen .

Gottfried August Bürger

Ich rühme mir Mein Dörfchen hier! Denn schönre Auen, Als rings umher

Die Blicke schauen, Sind nirgends mehr. Welch ein Gefilde, Zum schönsten Bilde

Für Dietrichs Hand! Hier Felsenwand, Dort Aehrenfelder, Und Wiesengrün,

Dem blaue Wälder Die Gränze ziehn! An jener Höhe Die Schäferei,

Und in der Nähe Mein Sorgenfrei! So nenn’ ich meine Geliebte, kleine

Einsiedelei, Worin ich lebe, Zur Lust verstekt, Die ein Gewebe

Von Ulm und Rebe, Grün überdekt. Dort kränzen Schlehen Die braune Kluft,

Und Pappeln wehen In blauer Luft. Mit sanftem Rieseln Schleicht hier gemach

Auf Silberkieseln Ein heller Bach; Fliest unter Zweigen, Die über ihn

Sich wölbend neigen, Bald schüchtern hin; Läst bald im Spiegel Den grünen Hügel,

Wo Lämmer gehn, Des Ufers Büschgen Und alle Fischgen Im Grunde sehn.

Da gleiten Schmerlen Und blasen Perlen. Ihr schneller Lauf Geht bald hernieder

Und bald herauf Zur Fläche wieder. Schön ist die Flur; Allein Elise

Macht sie mir nur Zum Paradiese. Der erste Blik Des Morgens wecket

Auch unser Glük. Nur leicht bedecket Führt sie mich hin, Wo Florens Beete

Die Königin Der Morgenröte Mit Thränen näst, Und Perlen blizen

Von allen Spizen Des Grases läst. Die Knospe spaltet Die volle Brust;

Die Blume faltet Sich auf zur Lust. Sie blüht, und blühet Doch schöner nicht,

Als das Gesicht Elisens glühet. Wanns heisser wird Geht man selbander

Zu dem Mäander, Der unten irt. Da sinkt zum Bade Der Schäferin,

An das Gestade, Das Rökchen hin. Sol ich nicht eilen, Die Lust zu theilen? —

Der Tag ist schwül, Geheim die Stelle, Und klar und kühl Die Badequelle.

Ein leichtes Mal Mehrt dann die Zal Von unsern Freuden. In weichem Gras,

An Pappelweiden, Steht zwischen Beiden, Das volle Glas. Vom Trunk erweitert

Wird bald das Herz, Und Wiz erheitert Den sanften Scherz. Sie kömt, und winket,

Und schenkt mir ein, Doch lachend trinket Sie selbst den Wein; Flieht dann und dünket

Sich gut verstekt, Doch bald entdekt, Mus sie mit Küssen Den Frevel büssen.

Drauf mischet sie Die Melodie Der süssen Kehle In das Ahi

Der Philomele, Die so vol Seele Nie sang, wie sie. So zirkelt immer

Lust und Genus, Und Ueberdrus Befält uns nimmer. O Seligkeit!

Daß doch die Zeit Dich nie zerstöre! Mir frisches Blut, Ihr treuen Mut

Und Reiz gewähre! Das Glük mag dann, Mit vollen Händen, An Jederman,

Der schleppen kan, Sich arm verschwenden. Ich seh es an, Entfernt vom Neide,

Und stimme dann Mein Liedchen an, Zum Tanz der Freude: Ich rühme mir

Mein Dörfchen hier!

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