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1747–1794

An Themiren .

Gottfried August Bürger

Ach, würden falsche Schwüre Durch Zeichen an dir kund! Verfärbte sich, Themire, Dein frevelhafter Mund!

O, daß ein Zahn sich schwärzte, Meineidige! daß nur Ein Fingerchen dir schmerzte, Das sich erhob zum Schwur!

So glaubt’ ich, Götter hielten Noch was auf Treu’ und Pflicht, Und falsche Mädchen spielten Mit theuren Eiden nicht. —

Doch deine Reize heben Verbrechen nur noch mehr; Und immer dichter schweben Verehrer um dich her.

Frau Venus und ihr Völkchen Läst fünf gerade seyn. Von Unmut nicht ein Wölkchen Hült ihre Stirnen ein.

Per Dio! was noch schlimmer, Dein Flattersin ergözt Den Schadenfroh, der immer An heissen Pfeilen wezt.

Daher in allen Schulen Befiedert täglich sich Ein Heer von jungen Bulen, Und insgesamt für dich.

Die kommen dann, und zollen Dir Huldigung und Pflicht. Die Alten aber trollen Deswegen sich noch nicht.

Und Alt und Jung umschwärmet Nun, wie behext, dein Haus. Man baxet sich, man lärmet ‒ ‒ ‒ Ach! wo wil das hinaus? —

Dich scheut, des Söhnchens wegen, Die zärtliche Mama; Und, seines Beutels wegen, Der geizige Papa.

Du ängstigst junge Frauen: Es möchte deinen Wehrt Ein Tröpfchen Gunst bethauen, Das ihnen zugehört.

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