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1747–1794

An Gottfried August Bürger.

Gottfried August Bürger

Fried' und Freude dem Sänger zuvor und traulichen Handschlag! Sieh, ich habe dein Zürnen vernommen am fer- nen Gestade;

Hörte den Flügelschlag deines Gesangs; melodi- sche Stürme Deiner Leier erhuben ihn hoch; ein Riesenadler Steht er vor mir mit dräuender Klaue, mit rü-

stigem Fittig; Und schon zürnt’ ich entgegen. Da faste mich Pallas Athänä Bei den goldnen Locken; ich wandte mich sträu-

bend; mein Auge Staunte zurück, vom Blize der göttlichen Augen getroffen. Sieh, ich bebte nicht dir; ich bebte der furcht-

baren Göttin. Sie verschwand; da war mir, als athmet’ ich liebliche Düfte, Läg’ am blumigen Hange des Helikon, unter der

Kühlung Wehender Schatten, an Aganippens Silbergesäusel. Nun erwacht’ ich, und zürnte nun wieder, und grif zu der Leier.

Aber es hatte die jüngste der Musen die Leier gestimmet, Daß sie nicht tönte wie sonst, wie Donner, wie Stimmen der Meere,

Sondern wie Lispel des wankenden Schilfes, wie zärtliche Klagen Junger Nachtigallen auf blühenden Zweigen der Myrten.

Und mir kehrte die Weisheit zurük; sie pflükte den Oelzweig, Den ich dir reiche; sie redet durch mich; vernim und sey weise!

Siehe, zwar kränzen uns Locken der Jugend, doch rauschet der Lorbeer Ueber den Locken, es kühlet die Palme den Schweis an der Stirne.

Früh betraten wir beide den Pfad des ewigen Ruhmes, Früh erreichten wir beide das Ziel. Auf trozenden Felsen

Stehn wir und lächeln entgegen dem Strome der kommenden Zeiten. Hier besuchen uns oft Kronions liebliche Töchter, Lehren uns oft die eigne Leier zu stimmen, und

bringen Oft herab vom Olympos die Harfe des Mäo- niden. Las uns beide den Harfengesang des göttlichen

Greisen Unserm Volke singen; wir lieben den Göttlichen beide! Freund, gehabe dich wol! Ich kenne die rufende

Stimme, Höre wiehern die feurigen Ross’ am flammenden Wagen; Siehe, mir winkt die Mus’, ich folge der win-

kenden Göttin.

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