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1774

An die Nymphe des Negenborns

Gottfried August Bürger

Neig' aus deines Vaters Halle, Felsentochter, mir dein Ohr! Hell im Schimmer der Krystalle, Hell im Silberschleier, walle,

Reine Nymphe, wall' hervor! Libern jauchzet die Mänade Huldigung bei Zymbelklang. Dir nur, glänzende Najade,

Deiner Urne, deinem Bade Weihte keiner Hochgesang? – Wohl, ich weih' ihn! Wo der Zecher, Der des Preises spotten soll?

Ha! Wo ist er? Ich bin Rächer! Fleuch! Mein Bogen tönt! Mein Köcher Rasselt goldner Pfeile voll! Hier, wie aus der Traube, quillet

Geist und Leben, frisch und rein, Leben, das den Hirten füllet, Das den Durst der Herde stillet, Welches Wiese tränkt und Hain.

Horch! Es rauscht im Felsenhaine, Woget auf der Wies' entlang, Leckt im Widder auf dem Raine, Schauert durch das Mark der Beine,

Kühlt des Wandrers heißen Gang. Saugt aus Wein der Klee sein Leben, Wohlgeruch und Honigsaft? – Kraut und Blumen, selbst die Reben

Danken dir, o Nais, Leben, Würze, Süßigkeit und Kraft. Lebensfülle, Kraft und Streben Trank auch ich schon oft bei dir.

Drob sei auch von nun an Leben Und Unsterblichkeit gegeben Deinem Namen für und für.

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