Morgen ist Dionens Feier. Stimmet an den Weihgesang! Töne drein, gewölbte Leier! Hall’ am Felsen, Wiederklang!
Morgen bringen ihre Tauben Sie herab in unsern Hain; Morgen, unter Myrtenlauben, Ladet sie zu Tänzen ein;
Morgen, vom erhabnen Throne Winket uns ihr Richterstab, Und sie spricht, zu Straf’ und Lohne, Gütevolles Recht herab.
Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!
Eilt, den Thron ihr zu erheben! Thut der Königin Gebot! Flora sol ihn überweben, Golden, blau und purpurrot.
Spend’, o Flora, jede Blume, Die im bunten Enna lacht! Flora, zu Dionens Ruhme, Spende deine ganze Pracht!
Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!
Unser prangendes Geleite Wird am Thron ihr huldigen. Sizen werden ihr zur Seite Amor und die Grazien.
Alle Nymfen sind geladen. Nymfen aus Gefild’ und Hain, Wassermädchen, Oreaden Werden hier versamlet seyn.
Alle sind herbei gerufen, Vor Dionens Angesicht, Mitzusizen, um die Stufen Ihres Thrones, zu Gericht.
Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!
Schon durchwallt die frohen Haine Cythereens Nymfenschaar. Amor flattert mit; doch keine Naht sich ihm und der Gefar. —
Nymfen, die sein Köcher schrekte, Wist ihr nicht, was ihm geschehn, Daß er heut die Waffen strekte, Daß er heut mus wehrlos gehn? —
Unverbrüchliche Geseze Wollen, daß sein Bogen heut Keiner Nymfe Brust verleze. — Aber, Nymfen, scheut, o scheut
Ihn auch nakt! Er überlistet, Er verlezt euch Mädchen doch: Denn den Waffenlosen rüstet Seine ganze Schönheit noch.
Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!
Nymfen, rein wie du an Sitte, Sendet, keusche Delia, Sendet dir mit sanfter Bitte Venus Amathusia:
Morgen triefe dies Gesträuche, Von des Wildes Blute nicht! Deines Hornes Klang verscheuche Dieses Hains Gefieder nicht!
Selber wäre sie erschienen, Selber hätte sie gefleht, Doch sie scheute deiner Mienen, Deines Ernstes Majestät.
Weich aus unserm Feierhaine! Venus Amathusia Walte morgen hier alleine! Weich, o keusche Delia!
Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!
Zu des schönsten Festes Freude Lüde sie auch dich mit ein, Ziemt’ es deinem keuschen Eide, Zeugin unsrer Lust zu seyn.
Ha! Du soltest Jubel hören! Hören Sang und Zymbelklang! Soltest uns in Taumelchören Schwärmen sehn drei Nächte lang;
Soltest bald in Wirbelreigen Uns um flinke Nymfen drehn, Bald, zu Paaren unter Zweigen, Süsser Ruhe pflegen sehn.
Auch der Held, der fern am Indus, Vom bezähmten Pardel strit, Ceres und der Gott vom Pindus Und Pomona feiern mit.
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