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1747–1794

1. Vorgesang .

Gottfried August Bürger

Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!

Unter hellen Melodieen Ist der junge Mai erwacht. Seht, wie seine Schläfe glühen! Wie ihm Wang’ und Auge lacht!

Ueber kräutervollen Rasen, Ueber Hainen schwebet er. Kleine laue Weste blasen Wolgerüche vor ihm her.

Segenvolle Wolken streuen Warme Tropfen auf die Flur, Geben Nahrung und Gedeihen Jedem Kinde der Natur.

Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!

Lieb’ und Gegenliebe paaret Dieses Gottes Freundlichkeit, Und sein süssestes versparet Jedes Thier auf diese Zeit.

Wann das Laub ihr Nest umschattet, Paaren alle Vögel sich. Was da lebet, das begattet Um die Zeit der Blüthe sich.

Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!

Schauet! Freudiger und röter Bricht des Tages Morgen an, Als im Anbegin, da Aether Mutter Tellus liebgewan;

Und ihr Schoos von ihrem Gatten Floren und den Lenz empfing; Und des ersten Haines Schatten Um die Neugebornen hing.

Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!

Als der erste Frühling blühte, Wand, erzeugt aus Kronus Blut, Göttin Venus Afrodite, Bei gelinder Wogenflut,

Sich almählig aus des grauen Ozeans verborgnem Schoos, Angestaunet von den blauen Wasserungeheuern, los.

Morgen liebe, wer die Liebe Schon gekant! Morgen liebe, wer die Liebe Nie empfand!

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