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1834

[Über Berg und Tal getragen]

Clemens Brentano

Über Berg und Tal getragen, Nieder in den See getaucht, Ist das Licht von meinen Tagen Und in Klagen

Bebend meine Seele haucht. Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! Sonne magst nur niedersinken,

Geh nur auf, du roter Mond Und ihr Sterne mögt nur blinken, Hab' mein Flehen nicht belohnt Euer Winken

Sagt mir nicht, wo Lindi wohnt. Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! Jetzt mag wohl die Lilie drehen,

Ihren Kelch zu diesem Stern Und mit Licht und kühlem Wehen Füllen, was ich küßte gern Heißes Flehen!

Zieh zu ihr, zu ihr so fern! Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! War ich doch die kleine Mücke,

Die auf ihren Nacken flog Und ein Tröpfchen meinem Glücke, Aus den blauen Adern flog Daß zurücke

Sie nach mir sich zürnend bog. Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! War ich doch das Regentröpfchen,

Das ihr auf die Wange fiel Und sie schüttelte das Köpfchen Und es rann zu süßerm Ziel. Süß Geschöpfchen!

O das war zu viel, zu viel! Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! Alles war ich, war das Sehnen,

Das sie grüßt im Abendrot, War der Herdenglocke Tönen, Das ihr Gruß der Heimat bot, War die Tränen,

War die unbestimmte Not Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! O du durst'ger Strahl der Augen,

Der zum Monde trinken geht, Selig fühlte ich dein Saugen! Licht und Luft, die mich umweht War das Hauchen

Ihrer Lippen im Gebet. Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du! Eines weiß ich, eine Decke

Kühl und lind, auf der sie ruht, Die von Ecke ich zu Ecke Deckte mit der Küsse Glut. – Nicht erschrecke

Süßes Lieb, o schlafe gut. Gute Ruh', gute Ruh', O süße Turtel wie marterst du!

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