Vor Tags ich hört, in Liebes Port, wohl diese Wort Von Wächters Mund erklingen: „ist Jemand je, verborgen hie, der achte wie „er mög' hindannen sprengen,
„der Tag gar hell, will kommen schnell, „wer liebend ruht, in Frauen Hut, „laß bald das Bett erkalten.“ „das Firmament, schnell und behend, von Orient,
„im weissen Schein herpranget, „fürwahr ich sag', aus grünem Hag, der Lerchen Schlag, „den jungen Tag empfanget. „drum eil' vom Ort, wer noch im Hort
„der Liebe sey, eh Jammers-Schrei „den Muth ihm mög zerspalten.“ Des Wächters Kund in Herzensgrund mich tief ver- Und all mein Freud zerstöret,
Des Lichtes Neid, will daß ich scheid, hör süße Maid, Sie will vor Leid nicht hören! Sich zu mir schmückt, gar schämlich blickt, Und nicht mehr schlief, gar schnell ich rief:
„ach Gott, wir han verschlafen!“ Zur Hand sich ragt, die werthe Magd, hierauf sie „gut Wächter laß dein Schimpfen! „um alle Welt, den Tag nicht meld, eh daß das Feld
„in kühlem Thau thut glimmen. „die Zeit ist klein, daß ich und mein „geselle gut, hie han geruht „in ehrenreicher Wonne.“
Der Wächter sprach: „Frau thu zur Sach, denn „hat kühler Thau umgeben, „seit du nun hast ein fremden Gast, so hab nicht Rast, „heiß' ihn von dannen streben.
„ich seh manch Thier in dem Revier „von Hohl zu Hohl ja schlüpfen wohl, „das zeiget mir die Sonne.“ Erst ward zur Stund, uns Jammer kund im Freu-
Da wir den Tag ansahen, Wohl Mund an Mund, gar süß verwundt im Kuß ge- sund, Und liebliches Umfahen,
Ward Liebes-Scherz in Scheidens-Schmerz, Gar treu getheilt und schnell ereilt. Ach edle Frucht du weiblich Zucht, hin auf die Muß ich mich leider kehren,
Gott durch sein Güt, dir wohl behüt dein rein Gemüth, Dein Heil mög er dir mehren, Fürwahr ich will, bis an mein Ziel, Dein Diener seyn, Gnad! Fraue mein,
Mit Wissen will ich scheiden. Allda zur Hand, ihr Händ sie wand, mehr Leids ich Ihr Aeuglein wurden fließen, Traut Buhle hör, was ich begehr, bald wiederkehr,
Der Treu laß mich genießen; Das gelobt ich ihr, sie sprach zu mir: „ich hab dich hold, vor allem Gold, „mir kann dich niemand leiden.“ (d. h. verleiden.)
Ein Fingerlein, von Edelstein, aus ihrem Schrein, Gab mir die süße Fraue, Des Schloßs ein End, sie mit mir rennt, bis ich mich An einer grünen Aue,
Sie ließ wohl hoch, so lang sie noch Mich konnt ersehn, ihr Tüchlein wehn, Dann schrie sie laut: „O Waffen!“ Seit macht mit Fleiß, jed Fähnlein weiß, im Kampfe
Mich ihrer Lieb gedenken, Auf Todes-Au, in rothem Thau, seh ich mein Frau, Ihr Tüchlein traurig schwenken; Den Ring ich schau, ich stech und hau,
Hindurch ich dring und zu ihr sing: „mein Leib ist dir behalten.“
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