Ich verkünd euch neue Mehre, Halt Frieden bei der Kann. Zu Rom da saß ein Herre, Ein Graf gar wohlgethan,
Der war von reicher Habe, War mild und tugendhaft, Wollt ziehen zum heiligen Grabe, Nach Ehren und Ritterschaft.
Sein Frau erschrack der Mehre, Sie blickt den Grafen an: „gnad mir edler Herre, „dazu mein ehelich Mann,
„mich nimmt Wunder sehre, „was euch die Ritterschaft soll, „habt ihr doch Gut und Ehre, „und alles, was ihr wollt.“
Er sprach zu seiner Frauen: „nun spar dich Gott gesund, „alles will ich dir vertrauen, „allhie zu dieser Stund.“
Also schied er von dannen, Der edle Graf so hart, Groß Kummer stand ihm zu handen, Eins Königs Gefangner er ward.
Er mocht ihm nicht entfliehen, Das war sein gröste Klag, Im Pflug da must er ziehen, Viel länger denn Jahr und Tag,
Erlitt viel Hunger, und schwere Ward ihm die große Buß. Der König reit vor ihm here, Der Graf fiel ihm zu Fuß.
Der König sprach:„Mit nichten“ Sprach noch dem Grafen Hohn: „es hilft dir doch kein Bitten, „schwör ich bey meiner Kron;
„und fielest du alle Morgen, „täglich auf deine Knie, „du möchtest nicht ledig werden, „denn deine Frau wär hie.“
Der Graf erschrack der Mehre, Groß Leid er ihm gedacht: „bring ich mein Frauen here, „so wird sie mir geschwächt,
„und soll ich hier noch bleiben, „so gilt es meinen Leib, „darauf so will ich schreiben, „will schicken nach meinem Weib.“
Einer der war an dem Hofe, Der hat die Gefangen in Hut, Dem übertrugs der Grafe, Verhieß ihm Hab und Gut,
Ein Brief schreibt der behende, Macht seiner Frauen klar, Sein Kummer möcht niemand wenden, Denn sie käm selber dar.
Der Bote zog ohne Trauern, Wohl über das wilde Meer, Zu Rom fand er die Frauen, Den Brief den gab er ihr:
Den thät sie selber lesen, Gar heimlich und gar bald, Sie verstund ihres Herren Wesen, Ihr Herz ward ihr gar kalt.
Ein Brief schrieb sie wieder weise Sogar behendiglich, Wie sie nicht möchte reisen; Es wär ja unmöglich,
Daß eine Frau möcht fahren Wohl über das wilde Meer, Kein Gut wollt sie nicht sparen, An ihrem Grafen Herrn.
Der Bote thät sich eilen, Wohl wieder heim ins Land, Die Frau die stand in Leiden, Gar wohl sie das empfand.
Sogar in stiller Sache Thät sie das alles gerne. Sie ließ ein Kutten machen, Sich eine Platte scheeren.
Die Frau konnt lesen und schreiben, Und andre Kurzweil viel, Sie konnte Harfen und Geigen, Und ander Saitenspiel:
Da hing sie an ihr Seiten, Harfen und Lauten gut, Dem Boten that sie nachreiten, Fuhr übers Meer voll Muth.
Sie zogen der Tage viele, Die Frau gar wunnesam Aufm Meere hub an zu spielen, Jedermann da Wunder nahm.
Der Bot saß ihr genüber, Den ihr der Graf geschickt, Die Augen gingen ihr über, Sie kannt ihn, er sie nicht.
Der Bote sprach mit Sinnen Wohl zu dem Mönche sein: „herr wollt ihr Gut gewinnen, „so ziehet mit mir heim,
„zu einem König reiche, „der gibt euch reichen Sold; „er läst euch Speise reichen, „als lang ihr bleiben wollt.“
Der Bot ließ nicht davon, Wie sehr der Mönch ihn bat. Sie zogen mit einander, Wohl an des Meers Gestad,
Sie zogen alle beide Viel Berg und tiefe Thal, Die Frau im Möncheskleide, Wohl vor des Königs Saal.
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