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1778–1842

Das Gnadenbild Mariä-Hülf bey Passau.

Clemens Brentano

Es wohnt ein schönes Jungfräulein Bekleidet mit Sammt und Seiden, Ob Passau in ein Kirchel klein, Auf einer grünen Heiden,

Dort auf dem Kapuziner-Berg, In Gnaden sie verbleibet, Mit Zeichen und mit Wunderwerk Ihr meiste Zeit vertreibet.

Aus fremden Landen führt sie her, Erzherzog Leopoldus, Ihr zu erzeigen alle Ehr, Das war sein gröste Wollust.

Den schönen Sitz hat ihr bereit, Ein edler Herr von Schwendi, Jezt genießt er in der Seligkeit, Ihr mütterliche Hände.

Auf ihrem Haupt trägt sie ein Kron, Von Gold und Edelsteinen, Von Silber ist gemacht ihr Thron, Auf dem thut sie erscheinen,

Jesus der wahre Gottes Sohn, In ihren Armen wohnet, Die Seel, die ihm und ihr thut schön, Bleibt wohl nicht unbelohnet.

An ihr ist nichts denn Heiligkeit, Und majestätisch Leben, Ganz englisch ist ihr Reinigkeit, Demüthig doch darneben,

Ihr Ursprung ist sehr adelich, Von königlichem Stamme, Ich darf sie nennen öffentlich, Maria heißt ihr Namen.

Vor ihr die Engel neigen sich, Weil sie Gott selber ehret, Dienstwillig sie erzeigen sich, Sobald sies nur begehret,

Die Kaiser beugen ihre Knie, Die König sie schön grüßen, Fürsten und Herrn rühmen sie, Und fallen ihr zu Füßen.

Es stehn vor ihrem Angesicht, Viel tapfre Edelknaben, Zu ihrem Dienst dahin gericht, Die Schild in Händen haben.

Wie Engel stehen ihr so nah, Der Ablaß und die Gnade, Die grüßen uns von Ferne da, Und hin zu ihr uns laden.

Mit vielen zarten Blümelein, Ist sie gar fein umstecket, Mit Nägeln und mit Röselein Wird ihr Altar bedecket,

Davon das ganze Kirchel schier Ueberaus lieblich schmecket, Damit das Volk durch solche Zier Zur Andacht werd erwecket.

Oft Musikklang und Orgelspiel Thut man da bey ihr hören, Aemter und Litaneien viel, Haltet man ihr zu Ehren,

Ihr viel Personen immerdar Lichter und Ampeln brennen, Durch welche sie sich ganz und gar Zu ihrem Dienst bekennen.

Dort sieht man durch die Sommerzeit, Prozession und Fahnen, Die Prediger nach Gelegenheit Das Volk zur Buß vermahnen,

Sie, Reich und Arm, Mann, Weib und Kind, Loben und benedeien. Und so sie beichten ihre Sünd, Thut mans ihnen verzeihen.

Allda sich in ein Klösterlein, Nicht weit von ihr gelegen, Viel arme Diener schließen ein, Allein von ihretwegen;

Daß sie ohn alle Hinderniß Der Jungfrau mögen pflegen, Und letzlich nach gethaner Buß, Erwerben ihren Segen.

Sie hat ein kleines Glöckelein, Gar wunderschön es klinget, Gleich wie ein kleines Waldvögelein In aller Früh es singet,

Sobald es hört ein liebreichs Herz, Vor Freuden es aufspringet: Das Volk es locket hinaufwärts, Wanns in die Luft sich schwinget.

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