Skip to content
1826

Am sechzehnten Sonntage nach Pfingsten

Clemens Brentano

Bei dem Haupt der Pharisäer Ging der Herr zum Sabbatsmahl, Und rings lauerten die Späher Auf sein Tun in großer Zahl.

Einen wassersuchtbeschwerten Mann sie vor ihm wandeln sahn; Da sprach er die Schriftgelehrten Und die Pharisäer an:

„Saget mir, ist auch zu heilen An dem Sabbat wohl erlaubt?“ Keiner sprach – und ohn' Verweilen Heilet er den Mann, der glaubt.

„Wer steigt nicht zum Brunnen nieder, Fiel ein Haustier ihm hinab, Rettet's nicht am Sabbat wieder?“ Fragt er; keiner Antwort gab.

Es hat Jesus bei dem Feste Hier ein Gleichnis auch erzählt Zum Gehöre mancher Gäste, Die den obern Platz erwählt.

Nie beim Fest den Vorsitz nehme, Daß nicht, kömmt ein Größrer jetzt, Dich der Wirt vor ihm beschäme, Sprechend: „Weiche, sitz zuletzt!“

Setz dich unten an und höre: „Rücke Freund hinauf!“ vom Wirt. Was vor allen dir mehr Ehre Als der Vorsitz geben wird.

Denn die jetzt sich selbst erhöhen Werden einst erniedriget; Den wird man erhöhet sehen, Der sich selbst demütiget.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.