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1698–1783

Xx.

Johann Jacob Bodmer

Es saß ein Fuchs mit leerem Magen, Und im Gemüthe gantz zerschlagen, Jm Schatten eines hohen Baums. Auf diesen setzte sich ein Rab in gleicher Stunde.

Der hatt ein Stücke Käs’ im Munde. Der Fuchs sah dieß Begegniß gern: Er redt ihn an: Ich grüsse meinen Herrn; Ich bin und bleibe stets dein Knecht.

Das dünckt mich billig, gut, und recht. Du bist so edel, schön, und liederreich, Kein andrer Vogel ist dir gleich; Man suche gleich in allen Königreichen.

Ich schmeichle nicht, mein Herr, dir weichen Der Falck an Adel und an Macht; Der Pfau an Schein und lichter Pracht; An lieblichem Gesang die süsse Nachtigall.

Du übertriffst sie weit mit deinem scharffen Schall. Man hört ihn weit und breit im holen Wald erklingen. Wenn du die Stimm erhebst ein süsses Lied zu singen, So dringt die Wollust sich durch alle meine Glieder,

Ich hör entzücket deine Lieder. Der Rabe sprach: Du hast ein zartes Ohr; Und Urtheil und Geschmack darinnen. Ich will dir diese Lust auch jezo nicht mißgönnen.

Damit schloß er das Aug, und hub den Kopf empor. Er stimmte starck den widrigen Gesang, Der krachend durch den Berg und tiefen Thal erklang. In währendem Gesang entfiel der Käs’ ihm bald;

Den nahm der Fuchs zum Danck, und trug ihn in den Wald.

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