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1698–1783

XiII.

Johann Jacob Bodmer

Man saget, eine Wiesel gieng In eines Wirthes Haus, wo sie viel Mäuse fieng. Zulezt geschah auf einer Fahrt, Daß sie von ihm gefangen ward.

Da sprach sie: Wirth, du sollst mich lassen gehn. Wahrhaftig ich verdient es wohl, Daß man im Frieden mich erlassen soll. Gieb acht, wie sauber ist dein Haus,

Da läuft izt weder Ratt noch Maus. Dafür sollst du mir nun zum Lohne geben, Daß du mich friedlich lässest leben. Das nehm ich an von dir zu einer Gabe

Für allen Fleiß, womit ich dir gedienet habe. Der Wirth sprach: Ja, das ist wohl wahr, Mein Haus ist izo gantz und gar Von Ratten und von Mäusen rein.

Das thatest du: doch nicht um meinetwillen; Nicht daß du mir so wolltest nützlich seyn; Nein, sondern deinen Balg zu füllen. Du fiengest, Wiesel, meinen Feind;

Warum? Er war nicht mein, und nicht dein Freund. Du wolltest meine Speis’ allein, Und ohne viel Gesellen seyn. Warum denn solltest du vor mir genesen;

Dieweil du in der That mein Feind gewesen? Verderbtest du mir nicht mein Fleisch und Brod? Deßwegen denn bereite dich zum Tod. Die Wiesel konnt es nicht entsagen;

Dahero mußte sie die Straffe tragen. Sie ward getödet auf der Statt, Weil ohne Willen sie gedienet hatt.

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