Es suchte seine Weid in Hungersnoth
Ein Geißbock, wie es ihm sein Naturell gebot.
Er gieng sehr hoch in einer
Kein Thier kam’ ihm daselbsten zu.
Da sah er einen grimmgen Löwen
Weit unter ihm im ebnen Boden stehen.
Der sprach zu ihm mit hingelegtem Grimme
Und einem sanften Ton der Stimme:
Mich wundert, daß du magst dein Leben
Um solche schlechte Speise geben.
Dein Steig ist alles Schreckens voll,
So hoch daß niemand ihn betreten soll.
Auf Speise dort zu gehn, ist gar nicht gut;
Mißlänge dem, der dieses thut,
So hieß es, ihm geschähe recht:
Hierunten ist der Weg nicht schlecht,
Hierunten wo der Klee, und Gras und Blumen stehn.
Hier giebt es auserlesne Weide.
Kehr denn hieher auf diese Heide.
Verlaß die Felsen ohne Reue,
Und komm herab auf meine Treue.
Der Geißbock ward in seinen Sinnen,
Des Löwens bösen Willen innen.
Ich weis, sprach er, du sagest recht:
Das Wort ist gut, der Wille schlecht.
Dein Hertz ist bös, dein Rath ist gut.
Hätt ich darunten meine Hut
So gut als hier, ich nähme bald
Dort meinen bessern Aufenthalt.
Nun mag ich dort nicht sicher ruhn,
Drum kan ich dir nicht Folge thun.