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1698–1783

Iv. Die Lerche und der Storch.

Johann Jacob Bodmer

Nachdem die Lerch der Berge Spitze Mit ihrer holden Stimm erfüllt, Ersieht sie sich zu ihrem Sitze Ein Feld, wo Thau auf Blumen quillt.

Sie sencket sich der Erden zu, Doch einsmahls störet ihre Ruh Ein Storch, der dort spatzieren gieng, Und Froschen oder Bienen fieng.

Bist du es, sprach der Storch zur Lerche. Ein Hertz gefaßt! du weist die Störche Verschlingen kein gefiedert Thier, Drum traue mir, und bleibe hier.

Für dich sind Störche keine Fremden; Dich soll denn meine Gegenwart O liebste Lerche, nicht befremden. Was Federn hat, ist einer Art.

So recht, erwiederte die Lerche Mein Leib ist viel zu klein für Störche, Doch sind die Froschen fast so klein, Und schlingst du sie so schnell hinein.

Was mehr ist, frissest du ja Bienen, Die Meisen sonst zur Speise dienen. Nein, nein, dein blutgefärbter Schnabel Lehrt mich es seye keine Fabel,

Daß du der Schlangen Meister seyst. Ey Und fliegt auf einen fernen Hügel.

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