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1698–1783

IiI. Die Meise und der Sperling.

Johann Jacob Bodmer

Es hatte die behertzte Meise Das warme Jahr durch ihre Speise Nach eignem Wünschen und Verlangen Vollauf und ohne Müh empfangen.

Bald fieng der Nordwind an zu rasen, Es wurde durch sein kaltes Blasen Des Berges Gipfel silberweiß, Der Bach, der Teich, der Fluß zu Eiß,

Das Feld als Stein, und durch die Kälte Sah man in vielen Bäumen Spälte. Ey Vogel, nimmst du so verlieb Mit der mit Eiß gewürtzten Speise?

So sprach der kleine Saatedieb, Der Sperling, zu der muntern Meise. Ich fürchte sehr, du müssest sterben, Und durch der Kälte Grimm verderben.

Was hilft dich izt dein stetes Springen, Dein Hüpfen, Fliegen, und dein Singen, Dein Zizipa, dein Zizipa? Sing eh: O weh! mein End ist nah!

Sieh doch, wie hab ich es so gut, Ich zeuge täglich frisches Blut; Von Ueberfluß an Speltz und Gersten Mögt ich, du siehst es selbst, zerbersten.

Die aufgeweckte Meise spricht: Der Meisen Stamm vergehet nicht, So lang im Boden Würmer leben, Und Mücken in den Lüften schweben.

Mein Freund, es wär ein gleiches Wunder, Gieng ein Geschlecht, mein oder deines, unter. Nein! Wer nichts nach dem Morgen fragt, Der lebt vergnügt, und unverzagt.

Der holde Lentz mit seinen Schätzen Wird meinen Mangel schon ersetzen. Ich singe schon, als wär er da, Mein Zizipa, mein Zizipa.

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