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1698–1783

I. Der ruhmsüchtige Bär.

Johann Jacob Bodmer

Ein auf den Ruhm erpichter Bär Kam bey sich selbst auf die Gedancken, Die Nachwelt würd es ihm verdancken, Vernähme sie, wie groß er einst gewesen wär.

Er sprach darüber seine Jungen, Ich sehe, sagt er, mich gezwungen, Daß ich den grossen Cörper messe, Damit ich dessen seltne Grösse

Der Nachwelt so vor Augen lege, Daß sie es deutlich fassen möge. Jhm fielen gleich die Jungen bey Und schwuren: Ja, bey unsrer Treu,

Wir sahen auch schon viele Bären; Jedoch, es wird noch lange währen, Eh daß in unserm Königreiche Sich einer dir an Grösse gleiche.

Darum so sey darauf beflissen, Daß es die späten Enckel wissen. Der Alte dacht jetzt allgemach Dem edlen Unternehmen nach,

Und rief, als ers zuletzt erfunden, Indem die Kinder um ihn stuhnden: Fürwahr es haben Kunst und Witz In meinem Cörper ihren Sitz!

Gleich leget er sich in den Schnee, Er streckt die Pfoten in die Höh, Und heißt die Kleinen auf ihn tretten; Dann sagt er: Jzo will ich wetten,

So sieht man Haut, so sieht man Haar, Zusammt der Grösse sonnenklar. Kein Fürst hat noch in seinem Schild Von einem Bär ein schöner Bild.

Ein jeder von den Jungen preist Des alten Bären scharfen Geist, Indem sie Bild und Gegenbild betrachten, Und es des Urbilds würdig achten.

Ein jeder sprach: Es ist gerathen, Fürwahr der Alte hats errathen. Sie dachten nicht (ein Bär denckt nicht so weit,) Daß dieses Meisterstück trotz seiner Würde,

Trotz aller seiner Aehnlichkeit, Jm nächsten Schnee versincken würde. Es schneyte nicht sobald, als es verschwand; Witz, Kunst und Arbeit war vergebens angewandt.

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