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1698–1783

Hochzeit-Gedichte.

Johann Jacob Bodmer

Nachdem die Welt gegründt, und ihr Termin gesteckt, Nachdem die schöne Luft rundum sich ausgestreckt, Und auch die wilde See, die nah und weit zu kommen Pflegt nach des Monats Lauf, ihr Oerter eingenommen,

Sah Jupiter hinab, und spürete niemand, Der diß gewaltig Hauß brächt unter seine Hand. Drum von seins Vaters des Saturnus Leib er hiebe Das Theil so schändlich ist, doch nöthig in der Liebe,

Und warff es in das Meer, daraus ein Schaum herkam, Davon das geile Weib, die Venus, Ursprung nam, Das geile Weib, das Weib, das aller Götter Sinnen, Mit ihrem blinden Kind hat listig rauben können.

Sie haben gantz und gar gebracht in kurtzer Zeit Das menschliche Geschlecht in ihre Dienstbarkeit. Sie thäten über dieß ein ärger Wesen führen, Beweisen ihre Macht auch an den stummen Thieren,

So daß nun überall durchaus nichts leben kan, Es muß ihr und dem Kind allzeit seyn unterthan, Das Kind, das lose Kind, das mit dem Pfeil und Bogen, So sehr viel hundert Jahr ist durch die Lufft geflogen,

Und hat sein grosses Reich gewaltig starck vermehrt, Ja auch die Mutter selbst ohn alle Scheu versehrt. Das Joch mußt ihr doch auch noch angeworffen werden, Von ihrem eignen Sohn, der Herr ist dieser Erden,

Und Printz der weiten Welt, der hält die Luft vor sein, Die zierlich ist gewirckt mit lichten Sternelein, Die mit der Strahlen Glantz gehn auf der weissen Strassen, Und in der holen Kaut Lufft, Erd und See umfassen.

Nun laßt uns doch besehn, wohin der schöne Sohn, Der grosse kleine Gott gebauet seinen Thron. Er hat ihm auserwehlt der Augen Thron zu eigen, Die uns sein Königreich, als klare Spiegel, zeigen.

Der Augenapfel ist die Kugel dieser Welt, Das Wasser aber, das der Apfel in sich hält, Das sind die milden Quell, so aus den Bergen schiessen, Und durch das grüne Thal mit sanftem rauschen fliessen.

Der Circkelrunde Krantz, der um den Apfel geht, Das ist die wilde See, die nach der Erden steht: Der Augen weisser Platz, so sich umher ergeusset, Das ist die klare Lufft, die Erd und See beschleusset.

Es ist ein Wunderding, daß das viert Element Auch in den Augen nicht von andern ist getrennt, Das Feuer, so durchs Meer gantz hell und lieblich blicket, Und mit dem schönen Schein uns Muth und Sinn entzüket;

Das Feuer, so den Weg ihm durch die Augen nimmt, Und unvermerckter Sach in unser Hertze kömmt: Da ruht es ohne Ruh, da hebt es an zu brennen, Daß wir der Liebe Krafft, und uns in uns nicht kennen.

Was Wunder ist es dann, daß er mit seinem Band, Die Welt bezwungen hat durch seine schwache Hand, Der tausend Welten hat, die Augen, da er zeugen, Und klärlich darthun kan, wie er uns könne beugen?

Diß ists, das euch bezwang, diß ists, Herr Bräutigam, Diß ist die neue Welt so euer Hertz einnahm. War euch auch wol zu Muth, gabt ihr euch auch verlohren, Als die vier Element zugleiche sich verschworen,

Zu liefern eine Schlacht, die in der Augen Welt Sich alle lägerten, und gaben sich zu Feld? Jhr habt euch wahrlich wol die Rechnung machen können, Daß vier so starcke Feind euch würden angewinnen.

Jhr thut auch was ihr wollt, ihr brauchet alle Kunst, Ich halte nur darfür die Arbeit sey umsonst. Bey dreyen wäre Rath, dem vierten zu entfliehen, Dem Feuer, weiß ich nicht, ob man sich darff bemühen.

Was laufft ihr viel und sucht? die Hilff ist bey der Hand; Wer hie genesen will, der muß doch zu dem Brand, So erstlich ihn entzündt: diß seyn Achilles Wunden, Die niemand heilt, als der, von dem man sie empfunden.

Was gibet man denn an? das Bitten ist das best, Es ist ein Hertz von Stein, so sich nicht biegen läßt. Nicht längst hab ich gehört von einer Feldgöttinnen, Wie ihr, Herr Bräutigam, habt pflegen zu beginnen

Ein sehnlich Klagelied, daß Wald, Feld, Berg und Thal Es haben wiederholt mit kläglichem Nachschall. Die Nymfen haben es mit Wehmuth auch vernommen, Und mein Asterie hats lassen mir zukommen:

All mein Leiden, Lieb und Schmertze Hat mein Hertze Gantz umringt mit Traurigkeit. Als ein forchtsam Hirsch muß eilen

Für den Pfeilen, Flieg und renn ich jederzeit. Ich vollführe meine Klage Nacht und Tage,

Denckend an der Liebe Quall, Stets die Thränen mich begiessen, Die da fliessen, Als zwey Bäche von Crystall.

Wollt ihr demnach, Jungfrau, geben Meinem Leben Hilff und Trost in diesem Leid, So erbarmt euch doch bey Zeiten,

Thut bereiten Nach dem Trauren Lust und Freud. Eh daß sich bey mir beginnen Alle Sinnen

Zu verliehrn, und aller Muth. Rettet mich von dem Elende, Eh das Ende Selbst bey mir das beste thut.

Ach Printzeßin, ach Jungfraue, Euch ich traue, Jhr seyd meine Medicin Vor das weinen, vor das klagen,

Laßt mich sagen, Daß ich euer Diener bin. Wie solte sie ihm thun? ihr werdet doch gewährt, Kein Mannes-Tropfen fällt vergebens zu der Erd,

Und was ist besser Rath, eins hat gebrannt das ander, Als daß ihr nun zugleich geneset mit einander? Geht an, ihr liebes Paar, was tretet ihr beyseit? Es ist jetzund gleich recht, jetzt ist die beste Zeit,

Daß ihr die Hitze lescht. Was wollt ihr viel verziehen? Was wollt ihr selber das, so ihr gewünschet, fliehen? Was ist es, Jungfrau Braut, wollt ihr zurücke gehn? Es hilfft gewiß euch nicht, ihr müsset doch gestehn,

Es ist nun fort mehr alt, daß man nicht kan vertreiben Zugleich der Liebe Brunst, und dannoch Jungfrau bleiben. Der Bräutigam der kommt, er gehet auf euch zu, Jungfrau, es ist das best, ihr gebet euch zu Ruh.

Es ist der nächste Rath, daß man ein Hertze fasse, Und was man nicht vermag zu halten, willig lasse. Trett ab, ihr Jungfräulein, die Braut hat jetzt nicht Zeit, Laßt sie zu Bette gehn, hört auf von eurem Streit,

Zu einem andern Streit muß sie sich jetzund kehren. O daß wir allesamt in solchem Streiten wären!

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