In der schönesten der Zeiten, Wann verjüngt wird alle Welt, Wann die Flora Blumen spreiten Thut, durch Wiesen, Wald und Feld,
Kam der Venus Sohn gegangen, Eh sich Lucifer eräugt, Eh Aurora ihre Wangen Und goldgelbes Haare zeigt.
Venus lag ohn Sorg und Zagen Gantz des sanften Schlafes voll, Mutter, sagt er, ich geh jagen, Unterdeß gehabt euch wohl.
Da erwachte die Göttinne, Sprach: Cupido liebes Kind, Weil du dieses hast im Sinne, Sey es gerne dir vergünt,
Und ich wünsche daß dein Bogen Richtig schiesse für und für. Wann du dann diß Werck vollzogen, Komm auch wieder her zu mir.
Diß derhalben zu vollführen, War er bald zur Jagd bereit, Nicht zur Jagd nach wilden Thieren, Wie Adonis vor der Zeit,
Sondern daß er möchte zwingen, Diese grosse weite Welt, Und in seine Netze bringen, Was der Himmel in sich hält.
Als der Zephyrus vernommen, Was das Kind gesonnen wär, Ist er mit der Aura kommen, Zu verkünden diese Mähr.
Doch thät er sich plötzlich nähen, Eh man für ihm fliehen kunnt: Eh man seiner sich versehen, Hatt er schon sehr viel verwundt.
Also wird sehr offt betrogen Die gelehrte Nachtigall, Eh sie kaum hinzu geflogen, Ist sie kommen schon zu Fall,
Jupiter, der Donnerkeile Nur für Spiel und Schertze hält, Ward durch dieses Kindes Pfeile In der Buhler Zahl gestellt.
Phöbus hatte Kunst und Witzen, Plutus war an Golde reich, Es konnt ihnen doch nicht nützen, Es war Amor alles gleich.
Mars der sonst sich auszurüsten Und zu streiten war bedacht, Sauget an der Venus Brüsten, Und vergaß der Krieges-Macht.
Bacchus wußte nichts von Trauben, Gantz entzündt in süsser Pein, Mußte Liebes-Speise klauben, Thränen giessen vor den Wein.
Eolus ließ Nord und Osten, Pan ließ Schaf und Hirten stehn. Götter und Göttinnen mußten Nach des Kindes Willen gehn.
Alle Menschen wurden innen, Wie Cupido sehr geschwind, Wie er ihren Muth und Sinnen Mit dem Pfeil regieren künt.
Alles wurde gantz verheeret, Alles war mit Leyd erfüllt, Biß sich hat der Tag gekehret, Und die Sonn ihr Haupt verhüllt,
Da flog Amor heim zur Stunden, Zeigte seiner Mutter an, Wie er alles überwunden, Wie ihm alles unterthan.
Bald hat sie ihn angenommen, Und am Nectar voll gemacht, Biß der süsse Schlaff ist kommen, Und ihn hat zu Ruh gebracht.
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