Als Samuel, der da gantz Jsrael regierte,V. 597. Als Samuel, der da gantz Jsrael regierte. rc.) Dieses lange Episodium hängt mit dem dünnesten Faden an der Geschichte Davids, nemlich weil er in der Zeit, da es erzehlet ward, ungefehr und ungesehen in einem Winckel stuhnd, wo er die Erzehlung anhören konnte. Der Innhalt desselben ist über- haupt comisch, anstatt daß er he- roisch sollte seyn. Er gehet Da- vid nicht weiter an, als daß er sei- ne romantische Qual und Ver- wirrung vermehren muß. Sehet V. 1248. und folg. Sein Hertze was empfindt, das er nicht melden kan. Es liebet Adriel die eine von den beyden: Das hat er angehört, und muß es auch so leiden. Und fällt ihm Merob ein, daß die kan seyn die Braut, Die ihm Gott hat bestimmt, für Adriel ihm graut. Wann Michals Lieblichkeit ihm dann bescheint die Sinne, Meint er, dem Adriel er sie nicht lassen könne. Er führet auch weiter kein Licht in seine Geschichte, als daß wir zufälligerweise einige Nachrich- ten von dem Zustande der vori- gen Zeiten, und des Regiments in Jsrael daraus schöpfen mögen; welche uns in zehn Zeilen eben so vollkommen hätten erzehlt werden können. Also werden wir um so viele Zeilen, als die- ser Zwischengesang hat, ohne Noth von der Geschichte ver- schmissen, und in unserm Ver- langen nach dem Fortgange der- selben betrogen. Das erhitzteste Gemüthe würde in einem solchen und so gleichgültigen Zwischen- gesange wieder erkalten. Eh unser Vater Saul den Königsscepter führte, Zu hohem Alter kam, und war des Richtens satt, Erwehlt er seine Söhn, und nannt an seine statt
Den Joel, daß er sollt zu Bersaba stets leben, Und da dem Jsrael Recht und Gerichte geben, Sein Bruder Abia, der kam gen Bethel hin. Doch lebten diese beyd vielmehr nach ihrem Sinn,
Und pflegten ihre Lust, als daß sie solten sehen, Daß da in Jsrael Gerechtigkeit möcht stehen; Wer nur Geschencke bracht, der kauffte da sein Recht, Gold machte eben krumm, und das gekrümmte schlecht.
Ein jeder spürt es wohl, doch keiner konnt es wenden, Wer ein Wort sprach zuviel, der war in ihren Händen. Drum ehrt man sie aus Furcht, aus Nutzen, und aus Zwang, Die Reichen hattens gut, die Armuth litte Drang.
Nun hatte Adriels sein Vater lang gelegen Mit Ahimath im Streit, der von der Mutter wegen Auch mein Großvater war. Es traffe Güter an, Und wollte Ahimath, der da ein herber Mann,
Sein ungerechtes Recht nicht in der Güte lassen, Wie oftmahls ward gewünscht. Er legt sich gantzer massen Mit ihme in das Recht, sie ziehn gen Bersaba, Und liegen lange Zeit in ihren Sachen da.
Barsilla hat das Recht, doch Ahimath die Gönner. Allein weil alle beyd schon waren alte Männer, Kam ihre Sach nicht aus, sie sturben drüber hin. Die Kinder erben drauf der Väter ihren Sinn.
Die Mutter zoge bald nach Joel, fortzutreiben Die angehobne Sach, es solt nicht dabey bleiben. Abenar stund ihr bey, der unser Vetter ist, Und weil sein scharffer Sinn zu allem wohl gerüst,
Hofft er ein gutes End in dieser Sach zu sehen. Die Ada, seine Frau, und ich, wir musten gehen Mit nach des Richters Stadt. Als Adriel nun hört, Was unser Wille war, er hefftiglich begehrt
Zu sprechen uns zuvor, eh wir zum Richter kämen, Der ihm ein Greuel war, und wollte sich bequemen. Er scheute drum das Recht, weil Recht nicht Recht da war, Und er noch kein Geschenck ihm wolte bringen dar.
Ob nun sein guter Zweck zwar billig stand zu loben, So sahn wir doch nicht gern es länger aufgeschoben. Abenar gab den Rath, wir solten nun das Recht, Und nicht die Güt ansehn, er merckte, daß es schlecht
Um Adriel must stehn, weil der den Richter meidet, Dann wer ein sichres Recht, sich nie vom Rechten scheidet. Drauf wieß man ihn dahin, wo Joel hielt Gericht, Und sagt man ihm, daß wir ihn wollten sprechen nicht.
Drauf geht die Sache an. Die im Gerichte sassen, Die sahen bald, wie uns das Recht würd sincken lassen, Und daß wir keinen Fug an Adriels sein Gut. Wie dieß Abenar hört, er dieses heimlich thut,
Und giebt dem Richter Geld, der unsschon war gewogen, Weil, als er mich gesehn, er einen Gift gesogen Der Liebesbrunst in sich, daß seine geile Flamm, Je öffter er mich sah, je mehrern Zunder nahm.
Die Mutter wuste nicht Abenars sein Bestechen, Und hätt sie nie gegönnt, also das Recht zu schwächen, Besondern, weil sie meint, die Sache wär für ihr, Ließ sie dem Recht den Lauf, und hüt sich nicht dafür,
Was der Abenar that. Der es also gestellet, Daß Joel nur für uns ein gutes Urtheil fället. Es waren beyde Theil für seinem Richtersthron, Und meinte jedermann den Sieg zu haben schon.
Ich hatte Adriel noch nicht zuvor gesehen, Und blieb er, wie er mich ersah, bestürtzet stehen, Er wandte fast kein Aug von mir die ganze Zeit, Und weil der Richter spricht, und ihm giebt den Bescheid,
Daß er sein gantzes Gut und Erbe uns soll lassen, Sieht er gantz freudig aus, und zeiget uns kein Hassen, Er giebt sich willig drein: und obwohl seine Freund, Sich stellen sehr betrübt, an ihm doch nichts erscheint.
Hingegen fühlte ich in mir ein sonders Leyden, Ich war darum betrübt, was meinen Freunden Freuden Und grosse Ruhe bracht: ganz traurig gieng ich hin Vom Richter in das Haus, ich klagt in meinem Sinn
Des Adriels Verlust, der alles hat verlohren, Was ihm in seinem Stamm war billig angebohren, Und hätte gern gewollt, daß er für uns den Sieg Davon getragen hätt, in diesem Güter-Krieg.
Der Richter bathe uns darauf zum Abendessen, Und sezt er sich zu mir; ich konnte nicht vergessen Des Adriels Verlust, es daurt mir allzusehr, Daß da sein Erb und Gut uns hört, und sein nicht mehr.
Joel, der wie gesagt, mich liebte als sein Leben, Wollt auch fürnehmlich izt mir dieß zu spüren geben, Weil wir verbunden ihm, daß er also gericht, Daher er einen Haß bey mir vermuthet nicht;
Und sagte drum zu mir: der schönsten Jungfrau wegen Hat heut mein Richterstab sich willig müssen legen, Nur ihrer Schönheit ist der Sieg den sie erlangt, Die da für Jsrael für allen andern prangt.
Ich wäre nicht gewest dem Adriel so herbe, Wann deine Wunderschön verdiente nicht sein Erbe; Hätt ich die nicht gesehn, wär die Ahinoam Auch nicht so reich wie jezt. Wie dieses ich aufnahm,
Kan ich dir sagen nicht, ich bliebe ohn zu sprechen Ein gute Weil; zulezt sagt ich: Soll man wohl brechen Das Recht, wenn man mich sieht? Ja freylich, sprache er. O wahrlich, wandt ich ein, dieß giebt uns schlechte Ehr,
Die uns der Sieg gebiehrt. Warum, sagt er hiegegen, Wer darf sich wider mich und meinen Willen legen? Es komm mir Adriel, trotz daß er hab den Muth, Die schöne Jungfrau soll besitzen stets sein Gut.
Wann wir es nicht mit Recht (antwort ich) wird uns schaden Dieß Gut, weil Gottes Zorn wir so auf uns geladen. Was, Gottes Zorn? O nein! (sprach dieser Spötter bald) Kennt Gott den Adriel? Nein! eure Wolgestalt;
Der liebt die Merob auch, und mehrt der ihre Schätze. Ich sagt: ich thue wohl, daß ich mich von dir setze, O Joel dein Gespött kan mir behagen nicht, Was wider Gott ich hör, ist wider meine Pflicht.
Hiemit ließ ich ihn da, und durffte er nicht wagen, Damahls von seiner Lieb mir mehrers fürzusagen, Wie er wohl hatt im Sinn; und haßt ich nach der Zeit Jhn mehr noch als fürhin, und kam dieß weit und breit
Durch gantzes Bersaba, daß Adriel verlohren, Nur bloß weil Joel mich zu seiner Lieb erkohren, Und sprache jedermann sehr schlimm von dieser That, Ja wer noch ehrlich war, hiefür ein Abscheu hat.
Nun hatte Adriel, seit dem er mich gesehen, Gefühlt ein Liebesfeur in seinen Sinnen gehen, Das ihm ließ keine Ruh, er zwingt sich wie er will, So läufft es da doch aus, daß ich allein sein Ziel,
Dahin sein sinnen steht, was er soll recht beginnen, Kan er erdencken nicht, und wie ich zu gewinnen. Er weiß der Mutter Haß und seinen Armuthsstand, Das sind zwey starcke Seil, die fesseln seine Hand,
Daß er zu nichtes kan was ihm beliebt gerathen. Er kan mich lassen nicht, noch auch nach solchen Thaten Erweisen wer er ist: sein Erbtheil ist dahin, Die Noth bekleidt den Leib, die Liebe seinen Sinn.
Er bleibt zu Bersaba, da ihm dieß wiederfahren, Und hielte sich da auf so lange wir da waren. Man rieth vergebens ihm’ er sollt nach Ramath gehn, Allda den Samuel dieß Unrecht lassen sehn,
Das sein Sohn hätt verübt. Er wollt mich nicht betrüben, Er sprach, Ahinoam ihr Kind das muß ich lieben, Drum gönn ich der mein Gut der ich mich selber geb, Ohn diese bin ich nichts, in der ich einzig leb.
Dieß hat er mir hernach selbst alles so erzehlet, Wie ich dir izt bericht, und wie er sich gequälet, Was Streit er hat gefühlt, wie offt er hat gesollt Mich lassen. Aber nein, die Lieb es anderst wollt:
Die reizt ihn allezeit zu gehen neue Wege, Und weil die muntre Lieb ihn nicht ließ werden träge, Sucht er Gelegenheit sich mir zu machen kund, Was stets sein Herz fürbracht, sollt sagen auch der Mund.
Abenar wehlt er aus, ihm wohl bey mir zu dienen, Weil er wust seine Macht und sein wohlmeinend grünen, Und nahm der willig an was Adriel ihm sagt, Weil sein Gewissen ihn bereits hat angeklagt,
Daß er nicht recht gethan, in Unrecht uns zu schützen. Er dachte diese Lieb könnt ihn hinwieder nützen, Daß sein Gemüth in Ruh, sein Nahm bey Ehren blieb, Weil was geschehn, ihm schon die gantze Stadt zuschrieb.
Und weil der Adriel bey allen war beliebet, Hat auch sein Unglück fast das gantze Land betrübet. Ahinoam bereut auch ebenfalls die That, Die, daß sie unrecht hat, erkannt, wiewohl zu spath.
Mit Ehren konnt man nicht das Erbe wieder geben, Denn Joel hätte sonst uns dörffen wiederstreben, Und bringen selbst in Noth, weil er also gericht. Wir dorften seiner Macht ja widersprechen nicht.
Sie hört Abenars Rath deßwegen an mit Freuden, Und ward mir angebracht des Adriels sein Leyden. Die Röthe sprach für mich und gab ich mich darein, Was meiner Mutter Freund ihr Wille würde seyn.
Doch weil man Joels Lieb zu mir verspüren konnte, War leicht der Schluß gemacht, daß er mich ihm nicht gönnte Drum nahme man ihm für zu eilen aus der Stadt, Eh Joel noch hievon etwas gemercket hat.
Doch fiel was in den Weg, das unsrer Reise wehrte, Es wurde plötzlich kranck die Mutter, und begehrte, Daß Saul gleich zu ihr käm; nach dem dann ward geschickt, Und wurde unser Zweck dadurch gar sehr verrückt.
Man hatte Adriel noch nicht entdeckt den Willen Der Mutter, der da war, den Seinen zu erfüllen, Weil sie nicht ohne Saul hierinnen wollte gehn, Doch wurde ihm erlaubt, wann er wollt, uns zu sehn.
Vergebens würd ich dir hie seine Wort erzehlen, Die er stets zu mir sprach, weil der verliebten Seelen Der schönen Thalmais ohndeme wohl bekannt, Wie man spricht, wan man sich befindt in solchem Stand.
Er rühmt ohn Unterlaß, was sich bey mir nicht funde. Und ich fragt ohne End, ob er aus Hertzens Grunde Dieselbe lieben könnt, die ihn so mit betrübt? Worauf er dann betheurt, wie hefftig er mich liebt,
Und daß er Joel danck, daß der sein Gut uns geben, Weil er ja selbst nun wollt aufopfern mir sein Leben. Dieß war der Innhalt stets von unserem Gespräch, Und wann dieselbe Zeit ich noch bey mir erweg,
Find ich, daß die allein war fähig mich zu freuen; Doch mußten wir dabey uns für dem Joel scheuen, Des Macht, Unrecht und Lieb war zu bedencken wohl, Ein jedes von die drey ließ uns der Sorgen voll.
Erwog man seine Macht, die alles konnt vollbringen, Sein Ungerechtigkeit ließ sich von keinem zwingen, Und seine Lieb zu mir nahm zu von Tag zu Tag, So daß je mehr sie stieg, je mehr stieg meine Plag.
Cookies on Poetry Cove