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1698–1783

Die Geschichte des Davids, Königs in Juda.

Johann Jacob Bodmer

Indem nun diese Sach so lief von allen Seiten, Kam Bichri in die Stadt. Ich kannte ihn von weiten, Und weil er Adriels sein Freund, war er mit ihm Nach Gesur hingereist, für unsers Richters Grimm.

Er kam darauf, so bald die Zeit es wollte leiden Zu mir, dahin, allwo ich heimlich ihn bescheiden, Und klagten wir allda einander unsre Pein, Und in was böß Gerücht hie Adriel müst seyn.

Der Bichri sagt darauf, dieß würd er nimmer dulden, Und eh sein Sterben sehn, als seine Ehr in Schulden. Deßhalben wollt er gleich ihm dieses melden an. Vergebens plag ich mich, weil ichs nicht wehren kan,

Und wie ich ihm auch klagt, wie man mich hätt versprochen An Joel, sagte er: So ist das Band gebrochen, Von dir und Adriel. Ich sprach: In Ewigkeit Vergeß ich seiner nicht; schaff, daß er mich befreyt.

Ich will nach Gesur hin, will er dahin mich führen, Da kan ich Sicherheit für Joels Wüten spüren. Dieß nahme Bichri an, und treibet ihn die Ehr, Die schier verlohren war, des Adriels so sehr,

Daß er gleich reiset fort, nach Gesur hinzubringen Die ungewohnte Mähr von diesen Wunderdingen. Jmmittelst wird kein Schluß ohn Adriel gemacht, Und durch Abenars Fleiß die Sach dahin gebracht,

Daß sein beklagtes Weib nach Nobe für dem Herren Soll mit ihm reisen fort; sie thut sich heftig wehren, Und will durchaus die Prob des Eiferopfers nicht, Doch alle ihre Freund seyn selbst hierauf erpicht.

Der Richter wolte gern, daß es nicht möcht geschehen, Doch Gott und sein Gesetz durfft er nicht wiederstehen. Drum gieng die Reise fort; der Richter selbsten zieht, Und wir, die wir befreundt, wir giengen gleichfalls mit,

Begierig, wie es möcht mit diesem Handel kommen. Wir wurden in der Hütt des Stifftes angenommen, Von Ahilob, der da den Leibrock hatte an, Der alles mit ihr thut, was man verrichten kan.

Jhr Haupt wurd ihr entblöst, der Priester sie beschweerte. Sie wurde ganz erblast, wie man an sie begehrte, Daß sie das Wasser trünck, das da verfluchet war, Dadurch, ob sie ohn Schuld, könnt werden offenbar.

Wie mir hiebey zu Muth laß ich dir selber rathen. Und wie wir in der Hütt uns so versammelt hatten, Da auf die Ada war jedwedens Aug gericht, Man unvermuthlich von des Ritters Ankunft spricht.

Ein jeder schaut sich um als Adriel erscheinet, Nun sey die Ada loß ein jeder schon vermeinet. Er tritt zu Gera hin, und spricht: bist du der Held, Des lügenhafter Geist anfüllet nun die Welt.

Auf Ada, fuhr er fort, zeig deiner Unschuld Probe, Zeug den Abenar an, daß er dich wieder lobe. Trinck! was dir wird gereicht, zu deinem höchsten Ruhm, Beweise für dem Volck, für diesem Heiligthum,

Was deine keusche Seel von Gera müssen leiden, Dann wird man dich statt schmach, mit ehr und ruhm bekleide. Wie dieses mich erfreut, konnt jedermann gleich sehn, Und waren Ada Freund sehr froh, daß dieß geschehn.

Sie aber blieb erbleicht; sie wehrte sich zu trincken, Sie wollte in die Erd für grosser Angst schier sincken. Die Freunde sprachen zu, der Priester trieb sie an, Bekenne oder trinck, sagt ihr ergrimmter Mann.

Hiemit trinckt sie es ein. Die es mit Gera hielten, Das unsre Freundschaft war, nach diesem Ausgang zielten Mit hefftiger Begierd. Der Adriel steht da, Und siehet unverfährt; Ich ware ihm so nah

Daß ich die leisen Wort, die er mir sagt, konnt hören: Wann deine treue Lieb bey dir noch steht in Ehren, Und daß mich Bichri hat aus Freundschaft nicht getröst, Solst du noch heute seyn aus Joels Macht erlöst.

Die Anstalt ist gemacht, nach Gesur dich zu bringen, Sey nur getrost; Ich hoff es soll uns wohl gelingen. Ich sagt hierauf kein Wort und winckte ihm nur zu, Daß er verspüren könnt, daß ich dieß willig thu.

Indem der Priester nun das Eiferopfer zündet, Hebt Ada plötzlich an, die sich nicht wohl befindet, Zu schreyen Ach und Weh! ein jeder drängt sich hin, Ich voller Angst und Sorg, ich nicht die letzte bin.

Abenar sie befragt, der Richter auch imgleichen, Daß sie die That bekenn. Sie sagt: Nun ich nicht weichen Noch hie entgehen kan, bekenn ich alles frey, Ich habe meinen Mann betrogen, ohne Scheu.

Ist es denn Adriel? der Richter plötzlich fragte, Ja Adriel der ists, die Ada wiedersagte. Wohlan, trat Gera auf, die Wahrheit ist am Tag. Man schaut an Adriel was der wohl sagen mag,

Der thut noch unverfährt, und will die Ada sprechen. Doch übertäubt man ihn, Abenar will sich rächen, Die Schuld ist hell und klar. Die Ada gantz befiel Daß es nicht anderst scheint als ob sie sterben will.

Man trägt sie in ein Hauß, und Adriel soll geben Von ihme sein Gewehr; Das koste den das Leben, Spricht er, der dieses sucht und geht auf Gera loß. Hierauf wird ein Tumult, und alle Degen bloß.

Der Richter ruffet bald den Adriel zu fahen, Doch darff sich keiner nicht so eilig zu ihm nahen, Er kommt aus ihrer Hand; und seiner Freunde Rott Hilfft ihm aus dieser Noth, reist ihn aus diesem Spott.

Der Sieg war unser nun, die Jeminiter prangen, Doch kost mir dieser Sieg gar viel benetzte Wangen, Der Berothiter und Meholathiter Haus, Die waren höchst betrübt, daß es so lief hinaus.

Abenar rief um Recht, die Ada sollte sterben, Die alle Welt verließ und suchte ihr Verderben. Auch sucht man Adriel, doch war der nicht zu sehn. Ich wust in meinem Sinn nicht wie mir war geschehn.

Und war noch so bestürtzt, als Bichri heimlich nahme Die rechte Zeit in Acht, und in mein Zimmerkame, Er fragte gleich, ob ich zu reisen wär bereit: O nein, sprach ich hiezu, es ist nicht mehr die Zeit,

Sag Adriel nur an, daß ich sein gantz vergessen, Weil er sein eigen Ehr so wenig übermessen. Ich bin einmahl verlobt an Joel, der ist mein, Eh will ich wehlen den, als Adriels zu seyn.

Bichri, der that bestürtzt, ich aber ließ ihn stehen, Und sagte dieses noch: Wo er nicht bald würd gehen, Sollt er für Adriel mit Ada leiden Spott, Dieß bracht ihn in die Flucht, zu meiden diese Noth.

Ich war nun gantz gewillt, den Adriel zu hassen, Und Joel, dem ich schon verlobet, mich zu lassen, Wiewohl aus keiner Lieb, nein, nur aus blosser Rach, Ich wust, daß ich hiedurch mich stürtzt in Weh und Ach.

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