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1698–1783

Das dritte Buch.

Johann Jacob Bodmer

Der David als er hört was Michal von ihm singet, Denckt: Ein so grosses Lob man unverdient ihm bringet; Er neigt sich auf dem Pferd, schaut ehrerbietig hin, Allwo er stehen sieht die schöne Printzeßin.

Sie grüst ihn ebenfalls mit lieblichen Gebährden, Von j Sie hatte diesen Tag sehr herrlich sich geziert, Ob sonst wohl die Natur den meisten Wunder führt,

Schien sie doch heute mehr, denn ihr vergnügtes Wesen Hatt alle Lieblichkeit in ihr Gesicht erlesen. Die Stirn war heller Schnee, die Wangen Milch und Blut, Die Augen schwartz Agat, und sahen aus so gut

Deß man sie ohne Furcht verehren konnt und preisen; Der Mund war hell Corall, der Hals und Brust sich weisen Dem Marmor gleich am Schein. Das schwarze Lockenhaar, Dem hellen Angesicht zum Absatz dienlich war;

Das sie frey fliegen ließ zum Spiel den sanfften Winden, Die sich mit jeder Lock begunten zu verbinden. Ein reicher Perlenkrantz mit Rosen durchgesteckt, Das Haupt und ihre Stirn zum halben Theil bedeckt.

Sie trug ein weisses Kleid mit Diamanten Sternen, Selbst must des Himmels Schmuk hiebey sich bald entfernen; Ein rosinfarb Gewand fiel von den Achseln hin; Das Niederkleid war bunt, sie hatte selbst darinn

Gewirckt mit ihrer hand. So ware sie geschmücket, Jhr Schein und Lieblichkeit gantz Jsrael entzücket. Maacha war die nächst die Michal so begleit, Voll Anmuth gleich wie sie. An ihrer andern Seit

Die Rizpa war zu sehn. Drauf aus dem gantzen Lande Des Stammes Benjamin, nach eines jeden Stande Erschien der Dirnen Schaar; nur Merob nicht allein Die sand sich nirgends nicht und deckte ihren Schein.

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