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1698–1783

Chansonnette.

Johann Jacob Bodmer

Mit Liebes-Brunst behafftet seyn, Ist wahrlich eine schwere Pein, Es ist kein Schmertz auf dieser Erd, Der recht mit ihm verglichen werd:

Drum will ich mich Gantz emsiglich Von dem Ley’en Allzeit scheiden, Und die süsse Gifft vermeiden. Auf daß nun nicht die schnöde Brunst

Mich lasse zu ihr tragen Gunst, Soll Venus mich nicht treffen an Auf irgend einer Liebes-Bahn. Der Tugend Weg Ist ein schön Steg,

Darauf eben Ich will schweben, Und ihr gantz verpflichtet leben. Recht und gar wol auch Pallas blieb Allzeit befreyet von der Lieb,

Sie gab dem Feuer niemals Raum, Und hielte sich in stetem Zaum. Auf grüner Heyd Sie allezeit Mit dem Hetzen Sich thät letzen,

Und frey aller Sorg ergetzen. Ich will ins künfftig fleissig auch Nachfolgen dieser Göttin Brauch, Denn Venus ist die gröste Last,

Cupido ist ein schädlich Gast. Wen e Muß verderben, Oft auch sterben, Und für Freuden Schmertz ererben,

Also belohnt er alle doch, Die sich ergeben seinem Joch, Und diß bedenck ich offt und viel, Es mag lieb haben wer da will,

Ich bleibe mein. Allzeit allein, Offt nach schertzen. Kommen Schmertzen, Wohl dem der das thut behertzen.

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