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1698–1783

2.

Johann Jacob Bodmer

Roth Röslein wolt ich brechen Zum hübschen Kräntzelein: Mich Dörner thaten stechen Hart in die Finger mein.

Noch wolt ich nit lan ab; Ich gunt mich weiter stecken In Stauden und in Hecken: Darinn mirs Wunden gab.

O Dörner krumm und zacket, Wie habt ihr mich zerschrunt? Wer unter euch kommt nacket, Der ist gar bald verwundt.

Sonst zwar könt ihr nichts mehr: Jhr keiner Haut thut schonen, Noch niedlicher Personen, Wanns gleich ein Göttin wär.

Sie hats wol selbs erfahren, Die schöne Venus zart, Als sie stuhnd in Gefahren, Und so zerritzet ward.

Daher die Röslein weiß Von Bluttrieffenden Nerben Begunten sich zu ferben: Den man verjeht den Preiß.

Ich thu ein Rose loben, Ein Rose Tugend voll. Wolt mich mit ihr verloben, Wanns ihr gefiele wol.

Jhrs gleichen findt man nicht In Schwaben und in Francken: Mich Schwachen und sehr Krancken Sie Tag und Nacht anficht.

Nach ihr steht mein Verlangen, Mein sehnlich Hertzegird: Am Creutz läßt sie mich hangen, Meins Lebens nimmer wird.

Zwar bald ich todt muß seyn. Je weiter sie mich meidet, Je länger mein Hertz leidet. Ist das nit schwere Pein?

Ach liebster Schatz auf Erden, Warum mich quälest so? Zu Theil laß dich mir werden, Und mach mich endlich fro.

Dein will ich eigen seyn. In Lieb und Treu mich binde, Mit deiner Hand mir winde Ein Rosenkräntzelein.

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