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Morgen-Lied

Sigmund von Birken

HERR! gib Gehör! Dir geb ich Ehr In dieser Morgenstunde. Der Liebe Läng,

Der Gnaden Mäng Rühm ich mit Herz und Munde. Mein Lebenlang Ein Freud-Gesang

Auf meiner Zung erklinge, Der deine Güt, Die mich behütt, Mit Lob und Dank besinge.

Dank sey dir, Gott, Daß du zuspott Der Feinde böse Tücke Heut hast gemacht,

In dieser Nacht Zerrissen ihre Stricke. Wolst alsofort, O liebster Hort!

Mich diesen Tag behüten Vor Sünd und Schand, Vor hartem Stand Und vor der Feinde Wüten.

Ach laß mir heut Aus Gütigkeit Fleisch, Höll und Welt nit schaden. Vergiß der Schuld,

Erzeig mir Huld: Du wollest mich begnaden. Weil Jesus Christ Gestorben ist

Von wegen meiner Sünden, Bin ich erlöst, Das glaub ich fest: Drüm werd ich Gnade finden.

Ach nimm in Hut Leib, Seel und Gut: Es sey dir übergeben Mein Will' und Raht,

Wort, Werk und That, Mein ganzes Seyn und Leben. Dein Engel Schutz Sey heut mein Trutz,

Wann mir die Feinde stellen. O Gott! auf dich Verlass ich mich: Es soll mich keiner fällen.

Gib täglichs Brod Und was ist noht Zu meinem schwachen Leben. Gib Kraft und Stärk

Zu meinem Werk, Das du mir untergeben. Ich bin dein Kind: Viel Mittel sind

Bey dir, mich zuerhalten. Herr! wie du wilt: Hierauf stäts zielt Mein Sinn. Dich lass ich walten.

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