Schweiget ihr noch meine Halmen! sollen nur die Lerchen-psalmen diese Frülingsfreud ausschreyen? Dünkt mich doch die Pegnitzfluten
mahnen mich mit Wudelstruten: Sing uns etwas von dem Mäyen! Auf mein Geist! wir müssen fliegen: nun das Jahr die Blumen wiegen
nun der süsse Himmel lacht nun der Wiesen Seidensticker unser Rund so bunte macht und die Sonn würkt güldne Stücker.
Ostland! deinen Heldgeschichten werd ich meine Pflicht entrichten. Doch man muß auch einmal singen. Wohin räist sichs ihr Gedanken?
hier im Feld der Wände Schranken nicht den Geist zu Kerker bringen. Nehmt mich mit ihr Schnabelflöten ihr befederte Poeten!
Wart! ich bin der Tereus nicht Luft Sirene Filomele! Mein Gehör das Urtheil spricht: du bist unsers Lentzen Seele.
Ich hör euch ihr Fittichbrüder! Aber wer hört meine Lieder? Föbus ist itzund nit Richter. Du streust Gold von deinen Höhen
unsre Wasen anzukleen du erdichter GOtt der Dichter. Nein! mein Föbus ist auf Erden der mich liebt und meine Heerden.
Hab ich schon izt nicht die Gnad singend selbst vor ihm zustehen: dannoch pflegt mein Mecänat meine Lieder gern zusehen.
Dorthin reiset ihr Gedanken! denkt wie üm den Vorzug zanken sein Verstand sein Stand und Glücke. Reiche zehlen nicht die Heerden:
ich muß arm an Worten werden wann ich dankbar denk zurücke. Ich verehre mehr mit Schweigen ungemessnes Gnad-bezeigen.
Ob ich etwan manchesmal diesem Wald davon gesaget: dannoch hat das hole Thal stäts nach mehr nach mehr gefraget.
Oftmals ich gen Himmel rieffe aus entbrannter Herzens-tieffe: Himmel! meinen Dank ihm zahle. Nein! der Wunsch gieng nicht verlohren:
es hat auch der Himmel Ohren nicht nur Regen und die Strahle. Legt die niedre Sinnen nieder; adelt euch ihr meine Lieder!
mit dem schönsten Innhalt itzt. Eine seine andre Sonne und ihm gibet tausend-Wonne. Pranget nicht ihr hohen Tannen
ihr des Faunus grüne Fahnen mit den Wolkennachbar-gipfeln! euch vor dieser Ceder neiget die von hohem Stamme zweiget;
fähig euch zu überwipfeln. Hier auf dieser zarten Rinden ist ihr göttlichs Bild zu finden. Macht der Abriss so entzückt:
was wird thun des Selbstands Leben! den der Geist noch schöner schmückt wie der Safft empfihlt den Reben. Dieser Schönheit Wunderspiegel
prangt mit einem Doppel-sigel; mischt mit Hoheit holde Blicke. Pinsel! gib ihr Blut den Wangen; leg den Leib in Schnee gefangen;
des Verstandes Sinnbild drücke in das rohte Wachs der Lippen; athmen mach die Herzens Klippen; gib dem Leib der Sitten Art;
setz ihr auf die Tugend Krone. Schöner nie gemahlet ward selbst Diana und Dione. In diß Schönheit-Meer der Gaben
sich zuhauf versamlet haben aller Treflichkeiten Flüsse: daß durch alle Glückes-Günste mein Mecänas nach Verdienste
wunschbar sich gelabet wisse. Gott-geliebte schon auf Erden müssen Himmel-seelig werden Cörper-Engeln zugesellt.
Hoch beglückt sind hohe Seelen. So ein Bild war ausgestellt solchen Helden zuvermählen. Ist der Gräslein in den Gründen
ist der Blätlein an den Linden ist der Also vielfach theure Beyde Euch das Glück in Freuden weide
reich an Jahren frisch von Leben. Dieser Wunsch vom Munde schallet und im Herzen wiederhallet solang athmet diese Brust.
Bald ich mehrers hoff zu singen: wann die Lieb die Saat der Lust wird mit Wucher wiederbringen.
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