Skip to content
1887

Mai-Feier

Otto Julius Bierbaum

Der Mai ist voller Nücken Und hat es so an sich, Daß man einander drücken Muß ganz absonderlich;

Einander liebzuhaben, Ists die gewisse Zeit Für Mädchen und für Knaben, – Einander liebzuhaben

In großer Zärtlichkeit. Die Haut ist nie so samten Den Mädchen, wie im Mai; Und wenn sie mich verdammten,

Die von der Klerisei, Ich muß es frei bekennen: Ich streichle gerne sie Und fühl ein hold Entbrennen, –

Ich muß es frei bekennen: Mir wird, ich weiß nicht wie. Und ach, der Augen Funkeln! Hilf, heiliger Florian!

Sie leuchten selbst im Dunkeln Und zünden alles an. Die kältesten Herzen brennen Wie Zunder lichterloh:

Großfeuer ists zu nennen, – Die kältesten Herzen brennen Und sind des Brennens froh. Her mit dem feuchten Strohe

Der Sorgen und des Wehs! Aufpraßles in der Lohe Des Mai-Autodafés! Die Liebe soll verzehren,

Was uns der Schmerz beschert, Auf Nimmerwiederkehren! – Die Liebe soll verzehren, Was nicht der Liebe wert.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Mai-Feier · Otto Julius Bierbaum · Poetry Cove