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1883

Des Musterknaben kläglich Lied

Otto Julius Bierbaum

Manchen Wein hab ich getrunken, Manchem schönen Kinde bin Ich verliebt ans Herz gesunken; Jetzt geht alles nüchtern hin,

Abgezirkelt, abgemessen, Und das ist des Liedes Sinn: Ach, vergossen, ach, vergessen! Dunkelroter Wein im Becher

Und ein weißer Busen bloß, – Ein Verliebter und ein Zecher War ich selig, war ich groß, Ritt auf Rausches roten Rossen

Mitten in der Götter Schooß, – Ach, vergessen, ach, vergossen! Einsam geh ich nachts nach Hause, Und mein Keller steht mir leer,

Das verworrene Gebrause, Ach, mein Herz kennt es nicht mehr; Tugend hat sich eingesessen, Exemplarisch, würdig, schwer, –

Ach, vergossen, ach, vergessen! Soll mich gar nichts mehr entzücken? Soll ich ewig nüchtern sein? Wehe Tugend, deinen Tücken,

Denn sie machen mir nur Pein; Sauertöpfisch und verdrossen Trag ich meinen Heiligenschein, – Ach, vergessen, ach, vergossen!

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