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1883

An die Verschämlichen

Otto Julius Bierbaum

Ihr armen Schächer, wie thut ihr mir leid In eurer Tugend engem Kleid, Darunter die Triebe zu Krankheiten werden, Zu bösen Dünsten und allen Beschwerden

Der Leibeslüge und Heuchelei. Nie seid ihr froh, nie seid ihr frei, Denn euer Wahn hat zur Sünde verdacht, Was Kreaturen selig macht.

Des Lebens Quell mit Schmutz zu verschlammen, Tragt alle Unnatur ihr zusammen; Was fröhlich, rein, lebendig fließt, Wird euch und uns zum faulen Bache,

Zur giftigen Sünden-Unken-Lache, Wenn eure „Moral“ hinein ihr gießt. Oh Jammermißbrauch mit dem Wort! Was blüht, ist Leben, tot, was dorrt;

Ihr aber streut Salz auf des Lebens Fluren, Was keimt und treibt, ist euch verhaßt, Dem Leben grabt ihr ohne Rast Das Grab, ihr „sittlichen“ Lemuren.

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