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1690

Das Geheimniß Christi und der Gemeine.Eph. V.

Gottfried Arnold

Brennt immer hin Ihr angezündte Flammen Behalt't die Krafft beysammen Und hebt den schweren Sinn

Mit euren Liebes-Flügeln Nach jenen Weyrauchs Hügeln Da mein verliebter Sinn Brennt immer hin.

Ich weiß es schon Wo ich den Schönsten funden Der meinen Geist verbunden; Er ist der Liebe Lohn

Der sich mir selbst muß geben Soll anders ich noch leben Wo seine Schönheit wohn Das weiß ich schon.

Ich hab Ihn nun! Und such ihn doch noch immer In meines Hertzens Zimmer Wo Er so gern wil ruhn.

Das hitzige Verlangen Der Lieb hat mich gefangen Mir stetig wol zuthun Ich hab Ihn nun.

Was gibt Er mir? Er hat sein gantzes Leben In mich zu eigen geben Ich lebe nun nicht hier

Ich soll mich selbst nicht regen Er will seyn meyn bewegen So gibt Er für und für Sich selber mir.

Ein brennend Hertz Hat Er in mich verstecket Das mich zur Lieb erwecket Und hitzt wie eine Kertz.

Ich fühl die Feuer Kohlen Wie Er mir hat befohlen So lodert stets auffwerts Mein brennend Hertz.

Sein Liebes-Schos Ist meine Ruhe-Stätte Mein keusches Ehebette Mein zugetheiltes Loß;

Ich darff mich zu ihm legen Wie Keusch-Verliebte pflegen Da wird das Feuer groß Im Liebes-Schos.

Kein Auge sieht Kein Hertz hat über kommen Kein Ohr hat je vernommen Wenn unser Bette blüht:

Was Gott hat dem bereitet Der sich von ihm nicht scheidet Und Liebe in sich zieht Die man nicht sieht.

Man kan auch nicht Von dem Geheimniß schreiben Es muß verschwiegen bleiben Was Lieb in uns verricht

Es ist recht groß zu nennen Wenn Jesus will erkennen Die Braut in seinem Licht Man kennt es nicht.

Verstummen muß Vernunfft und alle Sinnen Deß Bräutigams Beginnen Ist gleich den schnellen Fluß

Sein gar zu treuer Wille Macht eignes Wollen stille Weil alles bey dem Kuß Verstummen muß.

Ein süsses Wohl Durchdringt mit Gottes Kräfften Und bey den Liebs-Geschäfften Darauß ich Labsahl hol

Man weiß sich nicht zu lassen Und macht frembd Feuer hassen Die reine Liebes-Kohl Vom süssen Wohl.

Die reiche Frucht Der Liebe wird schon kommen! Wenn man nur angenommen Die Erstlinge der Zucht

Die sie an uns gewendet Wenn erst die Lieb vollendet So wird mit Lust gesucht Die Liebe-Frucht.

Du Schönster du Laß deine milden Küsse Als so viel Zucker-Flüsse Mir allzeit rinnen zu.

Ich kan ohn dich nicht bleiben Mich soll von dir nichts treiben Du bist mein Trost und Ruh Du Schönster Du.

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